{"id":252,"date":"2010-06-01T01:00:12","date_gmt":"2010-05-31T23:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/einblicke.andreashofmann.eu\/?p=252"},"modified":"2022-03-20T22:23:43","modified_gmt":"2022-03-20T21:23:43","slug":"zwischen-republik-und-wirtschaftsunternehmen-zur-organisation-einer-universitat-und-der-rolle-der-geschichtswissenschaften-am-beispiel-der-lmu-munchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eindruecke.achmnt.eu\/2010\/06\/252\/","title":{"rendered":"Zwischen Republik und Wirtschaftsunternehmen. Zur Organisation einer Universit\u00e4t und der Rolle der Geschichtswissenschaften am Beispiel der LMU M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p>Pr\u00e4sident, Kanzler, Dekan, Senator, Hochschulrat &#8230; dies sind einige Amtsbezeichnungen, welche vielen Studierenden gel\u00e4ufig sein d\u00fcrften. Was aber macht ein Pr\u00e4sident? Wie wird ein Hochschul\u00adrat gew\u00e4hlt? Was sind die Aufgaben eines Senators? Und welche Mitbestimmungsrechte hat der Ein\u00adzelne? Gleicht die Universit\u00e4t eher einer Republik, wie es der Kandidat f\u00fcr das Amt des Pr\u00e4sidenten der LMU M\u00fcnchen, der ehemalige Kulturstaatsminister im Bundeskanzleramt  Julian Nida-R\u00fcmelin propagierte, oder einem Wirtschaftsunternehmen, wie sich die Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen versteht? Dies sind nur einige Fragen, welche sich einige Studierende stellen, wenn sie von hochschulpolitischen Stichworten h\u00f6ren. Der Artikel wird dies nach Art eines Lexi\u00adkons abhan\u00addeln und versuchen Wirkzusammenh\u00e4nge darzu\u00adstellen.<\/p>\n<p><strong>Hochschulleitung <\/strong><\/p>\n<p>Das mit den weitreichendsten Befugnissen ausgestattete Gremium ist die Hochschulleitung. Sie be\u00adsteht aus dem Pr\u00e4sidenten, den f\u00fcr einzelne Ressorts zust\u00e4ndigen vier Vizepr\u00e4sidenten und dem Kanzler als Verwaltungschef. Die Hochschulleitung entscheidet \u00fcber die Mittelverteilung innerhalb der Universit\u00e4t, die Berufung von Professoren und macht Vorschl\u00e4ge zur \u00c4nderung der Grundord\u00adnung sowie zur Wahl der externen Hochschulratsmitglieder. Die Mitglieder der Hochschulleitung werden vom Hochschulrat gew\u00e4hlt. W\u00e4hrend das Amt des Pr\u00e4sidenten \u00f6ffentlich ausgeschrieben wird, wer\u00adden die Vizepr\u00e4sidenten vom Pr\u00e4sidenten vorgeschlagen. Eine Besonderheit besteht an der LMU darin, dass das Amt des Kanzlers durch das eines Vizepr\u00e4sidenten f\u00fcr Personal- und Wirt\u00adschaftsverwaltung ersetzt wurde. Eine Neuerung der Hochschulreform des Jahres 2007 stellt die Er\u00adweiterte Hochschulleitung dar. Sie besteht aus den Mitgliedern der Hochschulleitung, den Dekanen sowie als Besonderheit an der LMU je einem Vertreter der wissenschaftlichen Mitarbeiter, der sons\u00adtigen Mitarbeiter, der Studierenden und der Frauenbeauftragten. Sie nimmt \u00fcberwiegend beratende Funktionen wahr.<\/p>\n<p><strong>Hochschulrat <\/strong><\/p>\n<p>Der Hochschulrat nimmt an den Universit\u00e4ten in Bayern die Funktionen eines Aufsichtsgremiums war. Er w\u00e4hlt den Pr\u00e4sidenten und die Vizepr\u00e4sidenten, beschlie\u00dft \u00fcber \u00c4nderungen der Grundord\u00adnung sowie auf Vorschlag der Erweiterten Hochschulleitung \u00fcber die Gliederung der Universit\u00e4t in Fakult\u00e4ten und nimmt den Rechenschaftsbericht des Pr\u00e4sidenten entgegen. Der Hochschulrat be\u00adsteht an der LMU aus insgesamt 16 Mitgliedern, wobei die H\u00e4lfte vom Senat aus dessen Reihen be\u00adstellt wird. Die verbleibenden acht Hochschulr\u00e4te werden nach einem komplexen Verfahren auf Vorschlag der Hochschulleitung vom Senat gew\u00e4hlt und vom Staatsministerium bestellt. Bis 2007 nahm die Funktionen des Hochschulrates der Erweiterte Senat wahr, der aus den Senatoren, den Dekanen sowie weiteren gew\u00e4hlten Vertretern universit\u00e4rer Gruppen be\u00adstand.<\/p>\n<p><strong>Senat <\/strong><\/p>\n<p>Am ehesten mit einem Parlament vergleichbar ist der akademische Senat. Dies besteht aus direkt gew\u00e4hlten Vertretern der Professoren, der wissenschaftlichen Mitarbeiter, der sonstigen Mitarbeiter sowie den vom Konvent der Fachschaften gew\u00e4hlten Vertretern der Studierenden. Der Senat be\u00adschlie\u00dft \u00fcber die von der Universit\u00e4t zu erlassenden Rechtsvorschrif\u00adten, wozu insbesondere die Stu\u00addien- und Pr\u00fcfungsordnungen geh\u00f6ren, gibt Empfehlungen zu Beru\u00adfungsverfahren ab, bestellt die Mitglieder der zentralen Aussch\u00fcsse sowie die hochschulangeh\u00f6rigen Mitglieder des Hochschulra\u00adtes und beschlie\u00dft \u00fcber den Vorschlag der Hoch\u00adschulleitung f\u00fcr die nicht hochschulangeh\u00f6rigen Mitglieder des Hochschulrates. Leider verlor der Senat \u2013 welcher einem demokratischen Gremium immerhin am n\u00e4chsten kommt \u2013 im Rahmen der Hochschulreform des Jahres 2007 zu Gunsten der Hochschulleitung und des Hochschulrates an Be\u00adfugnissen. So l\u00e4ge nach Gesetzeslage die Abschaf\u00adfung oder Einf\u00fchrung von Studieng\u00e4ngen im Kompetenzbereich des Hochschulrats. Hiervon weicht die LMU durch die so genannte Experimen\u00adtierklausel ab und \u00fcbertrug diese Befugnis dem Senat.<\/p>\n<p><strong>Fakult\u00e4ten <\/strong><\/p>\n<p>Die organisatorischen Grundeinheiten der Universit\u00e4t sind nach Bayerischem Hochschulgesetz die Fakult\u00e4ten \u2013 derer gibt es an der LMU 18. Sie sind f\u00fcr die Berufungs-, Habilitations- und Promoti\u00adonsverfahren zust\u00e4ndig, beschlie\u00dfen \u00fcber die Studien- und Pr\u00fcfungsordnungen der ihnen zugeord\u00adneten F\u00e4cher und die Ressourcenverteilung innerhalb der Fakult\u00e4t. Sie bilden somit eine Art akade\u00admische Lehr- und Forschungseinheit. Ferner wird auf Ebene der Fakult\u00e4ten in einer parit\u00e4tisch be\u00adsetzten Kommission \u00fcber die Verwendung der Studienbeitr\u00e4ge beraten, wobei der Dekan die end\u00adg\u00fcltige Entscheidung trifft. Er ist der erste Mann der Fakult\u00e4t und wird hierbei vom Prodekan ver\u00adtreten. Ferner werden f\u00fcr die Bereiche Studium und Forschung ein Studiendekan und ein For\u00adschungsdekan gew\u00e4hlt. Das entscheidende Gremium der Fakult\u00e4t ist der Fakult\u00e4tsrat, welcher sich wie der akademische Senat aus direkt gew\u00e4hlten Vertretern der Professoren, der wissenschaftlichen Mitarbeiter und der sonstigen Mitarbeiter sowie den vom Fakult\u00e4tskonvent gew\u00e4hlten Vertretern der Studierenden zusammensetzt.<\/p>\n<p><strong>Departments\/ Zentren<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die meisten Fakult\u00e4ten sind in Departments unterteilt. Diese sind \u2013 so das Wortunget\u00fcm des Ge\u00adsetzgebers \u2013 wissenschaftliche Betriebseinheiten. So unterteilt sich unsere Fakult\u00e4t f\u00fcr Geschichts- und Kunstwissenschaften in das Historische Seminar sowie das Department Kunstwis\u00adsenschaften. Departments entscheiden selbst\u00e4ndig \u00fcber die Verteilung der ihnen zugewiesenen Ressourcen und Erarbeiten Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Entscheidungen der Fakult\u00e4t in fachlichen Angelegenheiten. Da die Leitungskollegien der Departments zumindest theoretisch nur mit Professoren besetzt sein k\u00f6nnen, bedeutet dies, dass die weiteren Gruppen bei der Erarbeitung von Vorschl\u00e4gen f\u00fcr die Fakult\u00e4tsgre\u00admien nicht beteiligt werden m\u00fcssen. Seit 2008 kam verst\u00e4rkt noch eine neue Form der Universit\u00e4ts(zer)gliederung hinzu: So forderte im Rahmen des so genannten 50\/40\/10-Strategieprozesses die Hochschulleitung die Einrichtung interdisziplin\u00e4rer Zentren. Diese koordinieren die Ressourcen der Departments auf fakult\u00e4ts\u00fcbergreifender Ebene.<\/p>\n<p><strong>Studierendenvertretung <\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund der Experimentierklausel weichen die Vertretungsstrukturen der Studierendenvertretung vom Bayerischen Hochschulgesetz komplett ab und sind weitestgehend dem Parallelmodell nach\u00adempfunden, welches bis 2007 neben den gesetzlich vorgegebenen Strukturen praktiziert wurde. W\u00e4hrend das Gesetz zuvor die Arbeit der universit\u00e4tsweiten Studierendenvertretung dem von den Studierenden direkt gew\u00e4hlten studentischen Konvent und dem studentischen Sprecherrat \u00fcbertrug, ist das neue Modell realit\u00e4tsn\u00e4her: Das oberste Gremium der Studierendenvertretung ist nun der aus Vertretern der einzelnen Fachschaften bestehende Konvent der Fachschaften. Dies bringt die Arbeit der Studierendenvertretung n\u00e4her an die Basis. Die Einsetzung von Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern und Referen\u00adten erm\u00f6glicht es, die Aufgaben, die zuvor \u2013 zumindest offiziell \u2013 nur den vier studentischen Spre\u00adcherr\u00e4ten oblagen, auf mehrere Schultern zu verteilen. Aber auch auf Ebene der Fakult\u00e4ten und der Studieng\u00e4nge \u00e4ndert sich vieles. So sieht die neue Grundordnung pro Studiengang eine Fachschafts\u00advertretung vor; nur fachverwandte oder Studieng\u00e4nge mit geringen Studierendenzahlen werden zu\u00adsammengeschlossen. Bisher bestand pro Fakult\u00e4t nur eine Fachschaftsvertretung \u2013 zahlreiche F\u00e4cher waren somit in einer Vertretung zwangsvereinigt.<\/p>\n<p><strong>Und die Rolle der Geschichtswissenschaften?<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichtswissenschaften spielen in diesem komplexen Geflecht nur eine sehr kleine Rolle. Mit dem Historischen Seminar verf\u00fcgen sie \u00fcber ein eigenes Department, welches zusammen mit dem Department Kunstwissenschaften die Fakult\u00e4t f\u00fcr Geschichts- und Kunstwissenschaften bildet. Auf der universit\u00e4tsweiten Ebene spielen die Geschichtswissenschaften nur zusammen mit den Kunstwissenschaften eine Rolle. Der Dekan ist Mitglied der Erweiterten Hochschulleitung und den Professoren der Fakult\u00e4ten f\u00fcr Geschichts- und Kunstwissenschaften sowie Altertumskunde steht ein Vertreter im Senat zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pr\u00e4sident, Kanzler, Dekan, Senator, Hochschulrat &#8230; dies sind einige Amtsbezeichnungen, welche vielen Studierenden gel\u00e4ufig sein d\u00fcrften. Was aber macht ein Pr\u00e4sident? Wie wird ein Hochschul\u00adrat gew\u00e4hlt? Was sind die Aufgaben eines Senators? Und welche Mitbestimmungsrechte hat der Ein\u00adzelne? 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