{"id":10625,"date":"2019-10-13T21:49:47","date_gmt":"2019-10-13T19:49:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einsichten-online.de\/?p=10625"},"modified":"2022-10-26T21:41:41","modified_gmt":"2022-10-26T19:41:41","slug":"lis-was-heist-und-zu-welchem-ende-studiert-man-bibliotheks-und-informationswissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eindruecke.achmnt.eu\/2019\/10\/10625\/","title":{"rendered":"#lis Was hei\u00dft und zu welchem Ende studiert man Bibliotheks- und  Informationswissenschaft?"},"content":{"rendered":"<h2>0. \u201eBis alle seine Begriffe zu einem harmonischen Ganzen sich geordnet haben.\u201c<\/h2>\n<p>Es ist gewagt, den Titel einer Studienaufgabe an Friedrich Schillers Antrittsvorlesung an der Universit\u00e4t Jena vom 26. Mai 1789 zu orientieren.[1] Haben diesen Versuch doch f\u00fcr ihre jeweiligen F\u00e4cher schon zahlreiche Autoren unternommen, die sich h\u00f6herer akademischer W\u00fcrden erfreuten.[2] Schiller attackiert in seiner Antrittsrede die \u201eBrodgelehrten\u201c, die in den Grenzen ihrer F\u00e4cher gefangen seien und nur an den eigenen Lebensunterhalt d\u00e4chten. Dagegen w\u00fcrde der \u201ephilosophische Kopf\u201c interdisziplin\u00e4r agieren und h\u00e4tte sein Leben nur der Wissenschaft verschrieben. In zugespitzter Form beschreibt Schiller bis heute aktuelle Herausforderungen des Wissenschaftsbetriebes.[3] Seine methodische Ausdifferenzierung der Weltgeschichte und der Universalgeschichte zeigt au\u00dferdem die Transformation einzelner Disziplinen auf.[4]<\/p>\n<h2>1. \u201aWas hei\u00dft Bibliotheks- und Informationswissenschaft\u2018?<\/h2>\n<h3>a) Synchrone Betrachtung<\/h3>\n<p>Bibliotheks- und Informationswissenschaft sind zwei Disziplinen, die wegen ihrer \u00dcberschneidungen und fachlichen N\u00e4he in der akademischen Welt meist eine Einheit bilden.[5] Bibliothekswissenschaft enth\u00e4lt mit betriebs- und verwaltungswirtschaftlichen Schwerpunkten Bereiche, die nicht der Informationswissenschaft zuzuordnen sind. Umgekehrt beinhaltet die Informationswissenschaft Schnittmengen zur Archivwissenschaft, die keinen Bezug zur Bibliothekswissenschaft haben. Gebiete wie Mensch-Maschine-Interaktion sind sui generis informationswissenschaftlich. Einen weiteren Aspekt stellt die \u00dcberschneidung zur Informationstechnologie dar.<\/p>\n<h3>b) Diachrone Betrachtung<\/h3>\n<p>Nach Michael Seadle gibt es drei Transformationsschritte des Bibliothekswesens in der Nachkriegszeit (eigene \u00dcbersetzung, Paraphrase und Datierung).[6] 1. Elektronische Datenverarbeitung in den 1970er Jahren; 2. Elektronische Bibliothekskataloge in den 1980er Jahren; 3. Elektronische Inhaltsbereitstellung in den 2000er Jahren. Als vierter Transformationsschritt zeichnet sich aktuell die \u201aintelligente\u2018 oder automatische Informationsverarbeitung ab. Diese Entwicklungen bewirkten auch eine Zunahme der genuin informationswissenschaftlichen und der informationstechnologischen Inhalte im Profil der Bibliotheks- und Informationswissenschaft.<\/p>\n<h2>3. \u201aZu welchem Ende studiert man Bibliotheks- und Informationswissenschaft\u2018?<\/h2>\n<p>Ein Studium der Bibliotheks- und Informationswissenschaften ist eine Synthese der Schiller\u2019schen Dichotomie. Wir werden zu \u201eBrodgelehrten\u201c ausgebildet, die durch Kenntnisse in Management und Recht eine Informationseinrichtung gewinnbringend leiten k\u00f6nnen. Wir sind aber auch die \u201ephilosophischen K\u00f6pfe\u201c, die vernetzt denken m\u00fcssen und die Information ihrer selbst willen zum Inhalt des Berufslebens erkl\u00e4rt haben. \u201aProfessionals, not clerks!\u2018[7] Wir verwalten nicht nur Informationen, sondern wir gestalten sie f\u00fcr unsere Rezipienten so lange, \u201ebis alle [ihre] Begriffe zu einem harmonischen Ganzen sich geordnet haben.\u201c[8]<\/p>\n<h2>4. What is LIS?<\/h2>\n<p>Library and Information Science ist ein universit\u00e4res Curriculum, das neben Bibliotheks- und Informationswissenschaften mit fortschreitender Digitalisierung auch immer mehr informationstechnologische Schwerpunkte bietet. Die genaue Definition der Inhalte variiert dar\u00fcber hinaus von Land zu Land.<\/p>\n<p>\u2014<\/p>\n<p>[1] Friedrich Schiller: Was hei\u00dft und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? (Antrittsvorlesung in Jena, 26. 5. 1789). Jena 1789.<\/p>\n<p>[2] e.g. Hans-Michael K\u00f6rner: Was hei\u00dft und zu welchem Ende studiert man Universit\u00e4tsgeschichte? Ein zweites Geleitwort, in: Laetitia Boehm \/ Gerhard Tausche (Hrsg.): Vorlesungen zur Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t 1800-1826 in Landshut, Berlin 2003, S. 14ff.; Reto Sorg et. al. (Hrsg.): Was hei\u00dft und zu welchem Ende studiert man Literaturwissenschaft? Festschrift f\u00fcr Stefan Bodo W\u00fcrffel zum 65. Geburtstag, Paderborn 2009.<\/p>\n<p>[3] Andreas C. Hofmann: Zwischen \u00d6konomisierung und Profilbildung. Deutsche Hochschulen im Umbruch, in: Neue Gesellschaft. Frankfurter Hefte (Dezember 2009), S. 58-60; Helmut G. Walther: Der Brotgelehrte im Bologna-Prozess. Prof. Walther \u00fcber die Aktualit\u00e4t von Schillers Gelehrteneinteilung in: Uni-Journal Jena Son-derausg. (2005): Friedrich Schiller. Spuren in Jena, hrsg. v. Rektor der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena, epubl. www4.uni-jena.de\/Sonderausgabe_Schiller_Position.html.<\/p>\n<p>[4] Temilo van Zantwijk: Schillers Antrittsvorlesung. Das Problem der Universalgeschichte, in: Uni-Journal Jena Sonderausg. (2005): Friedrich Schiller. Spuren in Jena, hrsg. v. Rektor der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena, epubl. www4.uni-jena.de\/Sonderausgabe_Schiller_AV.html.<\/p>\n<p>[5] Vergleichbare Beispiele aus der Fakult\u00e4t meines Erststudiums sind die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte oder die Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik.<\/p>\n<p>[6] Michael Seadle: The Work that Vanished \u2013 Inaugural Lecture on 28th October 2008, in: LIBREAS. Library Ideas 14 (2009), S. 38-43.<\/p>\n<p>[7] Adaption von Seadle 2009, S. 41.<\/p>\n<p>[8] Schiller 1789, S. 111.<\/p>\n<p>\u2014<\/p>\n<p><em>Humboldt-Univ. Berlin, Stud.aufg. aus dem Jahre 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>0. \u201eBis alle seine Begriffe zu einem harmonischen Ganzen sich geordnet haben.\u201c Es ist gewagt, den Titel einer Studienaufgabe an Friedrich Schillers Antrittsvorlesung an der Universit\u00e4t Jena vom 26. 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