Dynastie der Severer – eindrücke — Information, Geschichte, Kultur https://eindruecke.achmnt.eu von Dr. Andreas C. Hofmann Mon, 30 Mar 2020 21:29:54 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.6.2 https://eindruecke.achmnt.eu/wp-content/uploads/2020/05/cropped-einsichten-titel1-2-32x32.jpg Dynastie der Severer – eindrücke — Information, Geschichte, Kultur https://eindruecke.achmnt.eu 32 32 208800265 Kaiserbiographien: Severus Alexander (222 – 235 n. Chr.) https://eindruecke.achmnt.eu/2014/10/6030/ Fri, 17 Oct 2014 09:49:42 +0000 http://www.aussichten-online.net/?p=6030 Read more…]]> prospectiva imperialia Nr. 25 [17.10.2014]

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Severus Alexander

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Severus Alexander (* 1. Oktober 208 in Arca Caesarea, Arqa im heutigen Libanon; † im März 235 in der Nähe von Mogontiacum) war vom 13. März 222 bis zu seinem Tod römischer Kaiser. Die in älterer Literatur gängige Namensform Alexander Severus ist nicht authentisch. Sein ursprünglicher Name war Bassianus Alexianus. Ab Juni 221 nannte er sich Marcus Aurelius Alexander, als Kaiser trug er den Namen Marcus Aurelius Severus Alexander.

Im Juni 221 wurde der noch nicht dreizehnjährige Alexander von seinem nur vier Jahre älteren Vetter, Kaiser Elagabal, zum Caesar erhoben und damit zum Nachfolger bestimmt. Im folgenden Jahr konnte er nach Elagabals Ermordung problemlos die Herrschaft antreten. Zeit seines Lebens stand er unter dem dominierenden Einfluss seiner Mutter Julia Mamaea. Sie war die eigentliche Herrscherin und arrangierte auch seine Ehe. Da sie sich aber weder bei den hauptstädtischen Prätorianern noch im Heer Autorität verschaffen konnte, war ihre Machtausübung stets prekär.

Nach einem verlustreichen Perserkrieg mit unentschiedenem Ausgang musste der Kaiser zur Abwehr eines Germaneneinfalls an den Rhein eilen. Dort wurde ihm seine Unbeliebtheit im Heer zum Verhängnis. Er fiel mit seiner Mutter einer Soldatenmeuterei zum Opfer.

Mit Alexanders Tod endete die Dynastie der Severer. Es begann die Epoche der Soldatenkaiser und mit ihr die „Reichskrise des 3. Jahrhunderts“, eine krisenhafte Verschärfung der von den Severern hinterlassenen strukturellen Probleme.

Herkunft, Kindheit und Aufstieg zur Macht

Alexander war von mütterlicher wie von väterlicher Seite syrischer Herkunft. Sein Vater, der Procurator Gessius Marcianus, war ein Ritter aus Arca Caesarea, wo Alexander am 1. Oktober 208 geboren wurde. Seine Mutter Julia Mamaea gehörte dem Senatorenstand an, war also von vornehmerer Abstammung als sein Vater. Sie war eine Tochter der Julia Maesa, der Schwester der Kaiserin Julia Domna, und war, bevor sie die Ehe mit Gessius Marcianus schloss, in erster Ehe mit einem Konsular verheiratet gewesen. Ihre Familie stammte aus der syrischen Stadt Emesa (heute Homs) und war dort sehr angesehen.[1] Julia Domna, Alexanders Großtante, war die Frau des Kaisers Septimius Severus (193–211), der die Dynastie der Severer gegründet hatte. Alexander war also mit dem Dynastiegründer nicht verwandt, sondern war nur ein Enkel von dessen Schwägerin. Dennoch wird er zu den Severern gezählt.

Alexanders Urgroßvater Julius Bassianus, der Vater von Julia Domna und Julia Maesa, hatte in Emesa das Amt des Oberpriesters des Sonnengottes Elagabal ausgeübt, das in der Familie erblich war. Nach diesem Urgroßvater erhielt Alexander seinen ursprünglichen Namen Bassianus. Schon als Kind wurde er in den Elagabal-Kult eingeführt und mit einer priesterlichen Funktion betraut.[2]

Am 8. April 217 wurde Kaiser Caracalla, der Sohn und Nachfolger des Septimius Severus, in Mesopotamien auf einem Feldzug ermordet. Nach anfänglichem Zögern erhob das Heer den Prätorianerpräfekten Macrinus, der das Attentat auf Caracalla organisiert hatte, zum neuen Kaiser. Dies bedeutete einen Dynastiewechsel; Macrinus bestimmte sogleich seinen unmündigen Sohn zum künftigen Nachfolger. Damit war die syrische Sippe, der Alexander angehörte, von den Schalthebeln der Macht entfernt. Julia Domna nahm sich das Leben.

Da die männliche Nachkommenschaft von Septimius Severus und Julia Domna nun ausgestorben war, wollte Alexanders Großmutter Maesa ihren eigenen Nachkommen die Kaiserwürde verschaffen. Dafür war ihr vierzehnjähriger Enkel Elagabal, Alexanders Vetter, ausersehen. Er war der Sohn von Julia Soaemias, der älteren Schwester von Julia Mamaea.

 

 
 
 
 
 
 
 
 
Julius

Bassianus

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Julius

Avitus

Alexianus

 
Julia

Maesa

 
Julia

Domna

 
Septimius Severus

193–211

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Julia

Soaemias

 
Julia

Mamaea

 
Geta

211

 
Caracalla

211–217

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Elagabal

218–222

 
Severus Alexander

222–235

 
 
 
 
 
 
 

 

Der neue Kaiser Macrinus konnte nur durch einen Militäraufstand zugunsten Elagabals entmachtet werden. Um Elagabal bei den Soldaten Popularität zu verschaffen, behaupteten seine Parteigänger, er sei ein unehelicher Sohn des im Heer sehr beliebten Caracalla. Diese Vorgehensweise erwies sich als erfolgreich. Am 16. Mai 218 wurde Elagabal von einer in der Nähe von Emesa stationierten Legion zum Kaiser ausgerufen, und im Juni besiegte seine Streitmacht in Syrien die Truppen des Macrinus. Damit war der Bürgerkrieg entschieden. Nun konnte sich Maesa mit ihren beiden Töchtern Soaemias und Mamaea und ihren Enkeln Elagabal und Alexander nach Rom begeben, um dort die Macht zu übernehmen und für den jugendlichen Elagabal die Regierung zu führen. Alexander wurde von seiner Mutter und seiner Großmutter erzogen; sein Vater scheint schon früh gestorben zu sein.[3]

Bald erwies sich aber der junge Kaiser Elagabal als eigenwillig und beratungsresistent und machte sich allgemein verhasst. Dadurch entstand eine für den Fortbestand der Dynastie sehr gefährliche Krise, die sich 220/221 zuspitzte. Daher begannen Maesa und Mamaea Alexander als Nachfolger Elagabals aufzubauen. Der neue Hoffnungsträger wurde schon seit längerem wie Elagabal als unehelicher Sohn Caracallas ausgegeben.[4] Damit sollte die Sympathie der Soldaten, die Caracalla weiterhin sehr schätzten, gewonnen werden. Im Juni 221 wurde der noch nicht dreizehnjährige Alexander für mündig erklärt und erhielt die Caesarwürde. Elagabal musste ihn adoptieren und so zum Nachfolger bestimmen. 222 bekleideten die beiden zusammen das Konsulat.

Mit der Adoption war ein Namenswechsel verbunden. Der Dynastiegründer Septimius Severus hatte sich zwecks Legitimierung seiner Herrschaft als Adoptivsohn des 180 gestorbenen beliebten Kaisers Mark Aurel ausgegeben.[5] Damit hatte er sich in die Tradition der Adoptivkaiser gestellt, deren Epoche als Glanzperiode der römischen Geschichte galt. Caracalla und Elagabal hielten an dieser fiktiven Verbindung mit den Adoptivkaisern des 2. Jahrhunderts fest. Sie gaben mit ihren offiziellen Kaisernamen zu erkennen, dass sie sich als Angehörige der gens Aurelia, der Sippe Mark Aurels, betrachteten. Alexander ordnete sich mit seiner Adoption durch Elagabal ebenfalls in diesen Traditionszusammenhang ein. Er nahm den neuen Namen Marcus Aurelius Alexander an, mit dem er seine angebliche Zugehörigkeit zur gens Aurelia ausdrückte. Der Wechsel von Alexianus zu Alexander hängt mit der damals verbreiteten Verehrung Alexanders des Großen zusammen, die vor allem Caracalla praktiziert hatte.[6]

Kaiser Elagabal erkannte die Gefahr, die ihm von seinem Vetter Alexander drohte, und versuchte wiederholt ihn umzubringen. Vergeblich trachtete er ihm den Caesartitel zu entziehen. So entwickelte sich zwischen den beiden Rivalen und ihren Müttern ein Existenzkampf, in dem Maesa auf der Seite Mamaeas stand. Die Schlüsselrolle kam dabei den in Rom stationierten Soldaten zu, insbesondere den Prätorianern, der hauptstädtischen Gardetruppe, um deren Gunst sich beide Mütter bemühten. Dabei war Mamaea erfolgreicher, aber die beiden Prätorianerpräfekten hielten bis zum Schluss zu Elagabal.[7] Meuternde Soldaten, die von Mamaea gesteuert wurden, ermordeten Elagabal am 11. März 222. Der dreizehnjährige Alexander übernahm problemlos die Kaiserwürde. Am 13. März wurde er vom Heer zum Kaiser ausgerufen, am folgenden Tag verlieh ihm der Senat den Titel Augustus. Als Grundlage seiner Zugehörigkeit zum Kaisergeschlecht der Aurelier betrachtete er fortan nicht mehr die Adoption durch Elagabal, sondern seine fiktive Abstammung von Caracalla. Auf Inschriften wurde er als Sohn des „göttlichen Antoninus“ (Caracalla) bezeichnet.[8] Außerdem nahm er den an Septimius Severus erinnernden Namen Severus an.

Regierungszeit

Innenpolitik

Denar der Julia Mamaea

Im Unterschied zu Elagabal erwies sich Severus Alexander als lenkbar. Zunächst führten Maesa und Mamaea gemeinsam die Regierung. Sie setzten ein Beratergremium von sechzehn angesehenen Senatoren ein, dem sie erheblichen Einfluss einräumten.[9]

Maßgebliche Rolle der Mutter

Maesa, die schon betagt war, starb um 224.[10] Von da an war Mamaea faktisch bis zum Ende von Alexanders Regierungszeit Alleinherrscherin. Inschriften und Münzen dokumentieren ihre außergewöhnliche Rolle. Ab 222 trug sie den Titel Augusta. Weitere Titel waren „Mutter des Senats“ und „Mutter des Vaterlandes“; übereifrige Verehrer in Hispanien bezeichneten sie sogar auf einer Ehreninschrift als „Mutter des ganzen Menschengeschlechts“.[11] Sie ließ den jungen Kaiser sorgfältig erziehen, überließ ihm aber keine Entscheidungsbefugnisse. Ein gutes Verhältnis zum Senat war ihr wichtig. Sie pflegte demonstrativ traditionelle römische Tugenden und Werte. Eigenwillige Maßnahmen Elagabals, die in der konservativen Führungsschicht Anstoß erregt hatten, wurden rückgängig gemacht.[12] Der neue, senatsfreundliche Kurs bedeutete eine Abkehr von der Politik der früheren Severer, deren Verhältnis zum Senat gespannt gewesen war.[13] Dass Mamaeas Kooperationsbereitschaft im Senat Anklang fand, zeigt ein von Johannes Zonaras überliefertes Fragment aus dem Geschichtswerk des Senators Cassius Dio. Dort heißt es, Mamaea habe ihrem Sohn kluge Berater besorgt und unter den Senatoren die besten Ratgeber ausgewählt.[14]

Meutereien und Aufstände

Die Hauptschwäche der Regierung des von seiner Mutter gelenkten Kaisers war das Fehlen einer eigenen Machtbasis. Mamaea und Alexander waren vom Wohlwollen der Prätorianer abhängig. Das Ausmaß des aus dieser Schwäche resultierenden Autoritätsverfalls trat schon 223 in der Prätorianerkrise dramatisch zutage. Mamaea hatte 222 dem bedeutenden Juristen Ulpian das Oberkommando über die Prätorianer anvertraut, doch gelang es nicht, die Truppe zu disziplinieren. Aus geringfügigem Anlass entwickelten sich dreitägige Straßenkämpfe zwischen den Prätorianern und der Stadtbevölkerung, die zu chaotischen Verhältnissen in der Stadt führten. Erst als die bedrängten Prätorianer Häuser in Brand setzten und eine allgemeine Feuersbrunst drohte, gaben ihre Gegner nach.[15] Ulpian konnte einen Machtkampf mit seinen Untergebenen, den Prätorianerpräfekten Julius Flavianus und Geminius Chrestus, für sich entscheiden; die beiden Präfekten wurden hingerichtet.[16] Als aber im folgenden Jahr die Prätorianer meuterten, musste Ulpian in den Kaiserpalast flüchten. Dort konnte ihn Mamaea nicht schützen; in ihrer und Alexanders Anwesenheit wurde er von den Prätorianern ermordet. Der Hauptverantwortliche für den Mord, Epagathus, konnte wegen der Gefahr neuer Unruhen nicht in Rom bestraft werden. Er musste unter dem Vorwand der Ernennung zum Statthalter von Ägypten aus der Hauptstadt entfernt werden. Von Ägypten wurde er nach Kreta gebracht, wo er hingerichtet wurde.[17]

Im Reich brachen zahlreiche Unruhen und Aufstände aus, die niedergeworfen wurden.[18]

Gesetzgebung

Die Hauptquelle für die gesetzgeberische Tätigkeit Alexanders ist der Codex Iustinianus, eine Gesetzessammlung des 6. Jahrhunderts. Sie enthält 427 Verordnungen (constitutiones), die nach heutigem Forschungsstand Alexander zuzuweisen sind.[19] Eine starke legislative Aktivität ist vor allem zu Beginn der Regierungszeit, in den Jahren 223 und 224, zu verzeichnen. In der Darstellung seiner gesetzgeberischen Ziele betonte Alexander einerseits moralische Grundsätze und die Notwendigkeit besonderer Strenge bei Verstößen, welche die soziale Ordnung gefährdeten, andererseits aber auch die herrscherliche Milde (clementia), eine nach alter Tradition wichtige Herrschertugend. Damit gab er seine Distanzierung von der Regierungspraxis seiner Vorgänger zu erkennen.[20] Ein Themenbereich, dem sein besonderes Interesse galt, war die Regelung der appellatio, der Berufung an den Kaiser nach einem gerichtlichen Verfahren. Er wollte verhindern, dass untere Instanzen durch Einschüchterung die Berufung an den Kaiser unterbanden. Damit versuchte er seine Kontrolle über den Justizapparat zu verbessern.[21] Ferner stellte er sich als gewissenhaften Verwalter der Staatsfinanzen dar und beteuerte seinen Wunsch, die Steuerlast zu reduzieren, den er ansatzweise in die Tat umsetzte.[22]

Ehe

Orbiana, die Gattin des Severus Alexander

Mamaea suchte für Alexander die Patrizierin Orbiana als Ehefrau aus. Orbiana stammte aus einer vornehmen senatorischen, aber politisch unbedeutenden Familie. Die im Jahr 225 geschlossene Ehe blieb kinderlos und hielt nicht lange, denn es kam zu einem Machtkampf zwischen der Mutter und dem Schwiegervater des Kaisers. Orbianas Vater Seius Sallustius versuchte erfolglos die Prätorianer gegen Mamaea aufzuwiegeln. Mamaea setzte sich durch, sie erzwang 227 die Scheidung der Ehe ihres Sohnes. Seius Sallustius wurde hingerichtet, Orbiana nach Afrika verbannt. Diesmal erwiesen sich die Prätorianer als loyal, doch wagte es Mamaea nach dieser Erfahrung nicht, ihren Sohn erneut zu verheiraten.[23] Das Fehlen eines Nachkommen und einer Nachfolgeregelung verschärfte die prekäre Situation.

Der Geschichtsschreiber Herodian behauptet, Alexander habe eigentlich auf der Seite seiner Frau und seines Schwiegervaters gestanden, aber seiner Mutter nicht zu widersprechen gewagt. Solches Hintergrundwissen ist Herodian aber kaum zuzutrauen; vermutlich gibt er Gerüchte wieder, die damals bei den Gegnern Mamaeas, zu denen er selbst zählt, kursierten.[24]

In der Historia Augusta, einer spätantiken Quelle, wird mit Berufung auf den athenischen Geschichtsschreiber Dexippus mitgeteilt, Alexander habe seinen Schwiegervater zum Caesar ernannt. Der Schwiegervater wird hier Macrinus oder Macrianus genannt.[25] In älterer Forschungsliteratur wurde dieser angebliche Caesar entweder mit Seius Sallustius identifiziert oder mit dem Vater einer hypothetischen früheren Ehefrau Alexanders.[26] Nach heutigem Forschungsstand ist jedoch davon auszugehen, dass Orbiana die einzige Gemahlin Alexanders war und dass Seius Sallustius nicht zum Caesar erhoben wurde.[27] Möglicherweise ist Sallustius mit Quintus Sallustius Macrinianus identisch, der unter Septimius Severus als Statthalter der Provinzen Mauretania Caesariensis und Mauretania Tingitana amtierte. Dies könnte den in der Historia Augusta angegebenen Namen erklären.[28]

Religionspolitik

Gegenüber den Christen, die schon unter Elagabal nicht verfolgt worden waren, war die Regierung Alexanders und seiner Mutter tolerant. Mamaea stand mit dem prominenten Kirchenschriftsteller Origenes in Kontakt,[29] aber die Behauptungen spätantiker christlicher Quellen, ein Teil der Umgebung des Kaisers oder gar seine Mutter selbst habe den christlichen Glauben praktiziert, sind nicht glaubwürdig. Anscheinend neigten Mamaea und Alexander – einer Tendenz ihrer Zeit folgend – zum Synkretismus, zur Vermischung von Einflüssen verschiedener Religionen.[30] Die erst in der Spätantike auftauchende Behauptung, Alexander habe in einer privaten Kultstätte neben den vergöttlichten Kaisern und anderen vorbildlichen Persönlichkeiten auch Christus, Abraham und Orpheus verehrt,[31] wird von der Forschung sehr skeptisch betrachtet.[32]

Bautätigkeit

Aqua Alexandrina

In der Historia Augusta wird von ausgedehnter Bautätigkeit Alexanders berichtet. Ihren Angaben zufolge hat er sowohl neue Bauwerke errichtet als auch alte renoviert. Die Einzelheiten sind nur teilweise nachprüfbar; zum Teil dürfte es sich um erfundene Behauptungen des unzuverlässigen Geschichtsschreibers handeln. Gut bezeugt ist Alexanders Erweiterung der Nerothermen, die thermae Alexandrinae. Auch ein Aquädukt, den er errichten ließ, die aqua Alexandrina, wurde nach ihm benannt; eine Münze von 226 bestätigt den Bau. Im 17. Jahrhundert konnte der Aquädukt identifiziert werden. Der Verlauf der Wasserleitung außerhalb der Stadt ist nur zum Teil bekannt; wie sie innerhalb des antiken Stadtgebiets verlief, ist unbekannt.[33] Zu den Bauten, die renoviert wurden oder deren Wiederherstellung zumindest geplant war, sollen ein Theater – offenbar das Marcellustheater –, der Circus Maximus, das Kolosseum und ein Stadion – wahrscheinlich das Stadion Domitians – gehört haben. Ferner ließ er angeblich in Rom zahlreiche Bäder bauen.[34] Er soll auch von Trajan gebaute Brücken ausgebessert und neue gebaut haben; da eine solche Renovation in einem Fall inschriftlich bezeugt ist, gilt die Nachricht als glaubwürdig.[35]

Außenpolitik und Kriege

Außenpolitische Konflikte, die ein militärisches Vorgehen erforderlich machten, waren für Alexander wegen seiner schmalen Machtbasis und mangelnden militärischen Kompetenz riskant. Sowohl eine Abwesenheit des Kaisers von der Hauptstadt als auch die Beauftragung eines Kommandeurs mit einem Feldzug bedeutete eine existenzielle Gefährdung, da jede solche Konstellation Anreiz zu einer Rebellion bieten konnte. Diese Labilität der Herrschaft trat in den letzten Jahren von Alexanders Regierungszeit zutage, als es zu zwei großen militärischen Auseinandersetzungen kam: dem Perserkrieg und dem Germanenkrieg. Beide erforderten die Anwesenheit des Kaisers.

Die persische Herausforderung

Im Osten hatte Ardaschir I., ursprünglich ein persischer Vasall des Partherreichs, in den zwanziger Jahren des dritten Jahrhunderts die Macht des parthischen Königsgeschlechts der Arsakiden gebrochen und das persische Sasanidenreich gegründet. In Armenien stießen die Perser allerdings auf hartnäckigen Widerstand, denn dort hatten die Arsakiden starken Rückhalt.[36] Mit der sasanidischen Expansion bahnte sich eine militärische Konfrontation des römischen und des neupersischen Reichs an. 230 oder 231 drang ein persisches Heer in die römische Provinz Mesopotamia ein, verwüstete sie und belagerte Nisibis. Syrien und Kappadokien waren bedroht.[37] Auf der römischen Seite wurde die Gefahr sehr ernst genommen; man unterstellte dem Sasaniden die Absicht einer Wiedererrichtung des altpersischen Achaimenidenreichs, zu dem alle später römischen Gebiete Vorderasiens gehört hatten. Tatsächlich scheint Ardaschir an die Tradition altpersischer Machtentfaltung angeknüpft zu haben, wenn auch seine Geschichtskenntnisse wohl bescheiden waren. Allerdings gibt es keinen stichhaltigen Beleg dafür, dass er wirklich eine Forderung auf alle einstmals achaimenidischen Territorien erhob.[38]

Alexander versuchte zu verhandeln. Nach Herodians Darstellung ließ er Ardaschir durch eine Gesandtschaft ein Schreiben zukommen, in dem er an römische Siege über die Parther erinnerte und den Sasaniden zur Respektierung der bestehenden Grenze aufforderte. Sein Bemühen um eine friedliche Beilegung des Konflikts blieb jedoch erfolglos.[39] Ardaschir ließ sich nicht beeindrucken, sondern setzte unbeirrt seinen Expansionskurs fort. Daher musste der Kaiser im Frühjahr 231 mit Mamaea Rom verlassen, um den Gegenangriff persönlich zu leiten.

Auf die an der Ostgrenze stationierten Truppen, die bei einer Meuterei ihren Befehlshaber Flavius Heracleo getötet hatten, war wenig Verlass. Ihre Disziplin und Kampfmoral war offenbar schlecht.[40]

Den Winter 231/232 verbrachte Alexander in Antiocheia, wo er den Feldzug vorbereitete. Erneut schickte er eine Gesandtschaft mit einem Friedensvorschlag zu Ardaschir. Der Sasanide reagierte mit einer Gegengesandtschaft, die aus vierhundert bewaffneten persischen Reitern bestanden haben soll. Herodian behauptet, die persischen Gesandten hätten die Herausgabe Syriens und Kleinasiens verlangt. Zwar ist kaum anzunehmen, dass Herodian die Äußerungen der Gesandten korrekt wiedergibt, doch ist davon auszugehen, dass seine Darstellung einen historischen Kern hat. Dieser besteht wohl darin, dass Ardaschir Forderungen erhob, von denen er wusste, dass sie für die römische Seite unannehmbar und provokativ waren. Alexander ließ die Gesandten festnehmen, was einen schweren Verstoß gegen das Völkerrecht darstellte.[41]

Der Feldzug gegen die Perser

Im Frühjahr 232 begann die römische Offensive. Das römische Heer rückte in drei getrennt marschierenden Kolonnen vor. Der Angriff zielte auf das Zentrum des Perserreichs, die Doppelstadt SeleukeiaKtesiphon. Der nördliche Heeresteil drang über Armenien vor. Dort behaupteten sich weiterhin arsakidische Kräfte. Ob die Armenier die Römer unterstützten oder den römischen Durchmarsch nur duldeten, ist in der Forschung umstritten.[42] Der Kaiser marschierte mit dem Zentrum der römischen Streitmacht über Palmyra in Richtung der damals von Feinden der Sasaniden kontrollierten Stadt Hatra. Die südliche Abteilung bewegte sich dem Euphrat entlang vorwärts.

Der Verlauf der Kämpfe ist unklar. Anscheinend war das römische Oberkommando von der Aufgabe, die anspruchsvolle Strategie mit getrennt marschierenden Heeresteilen plangemäß umzusetzen, überfordert. Die südliche der drei römischen Heeresgruppen wurde vom Perserkönig gestellt und weitgehend aufgerieben. Dabei sollen aber auch die Perser erheblich geschwächt worden sein.[43] Daraufhin traten die beiden anderen römischen Heeresgruppen den Rückzug an. Dabei erlitten die Römer schwere Verluste, da viele ausgehungerte und erschöpfte Soldaten unterwegs ums Leben kamen. Insbesondere die nördliche Heeresgruppe hatte auf ihrem Rückmarsch durch das armenische Hochland zahlreiche Todesfälle zu beklagen.[44] So büßten beide Seiten vorerst die Fähigkeit ein, weiterhin offensiv vorzugehen. Die römischen Soldaten machten den Kaiser für den enttäuschenden Verlauf des Feldzugs verantwortlich. Nur mit einem großzügigen Geldgeschenk konnte er ihre Wut besänftigen.[45]

Obwohl die Römer von der Erreichung ihres Kriegsziels, der Einnahme der feindlichen Hauptstadt, weit entfernt waren, und trotz ihrer schweren Verluste konnte das Ergebnis als römischer Erfolg betrachtet werden, denn die gegnerische Seite hatte ihre Offensivkraft verloren und die Römer mussten keine Gebietsverluste hinnehmen. Ein Friede wurde nicht geschlossen, weitere Kampfhandlungen unterblieben wegen Erschöpfung beider Seiten.[46] Den Winter 232/233 verbrachten Mamaea und Alexander wiederum in Antiocheia, dann kehrten sie nach Rom zurück. Dort feierte Alexander am 25. September 233 den Ausgang des Feldzugs mit einem Triumph.

Germanenfeldzug und Sturz

Wegen der durch den Perserkrieg bedingten Entblößung der Rhein- und der Donaugrenze hatten 233/234 Germanen größere Beutezüge unternehmen und Befestigungsanlagen zerstören können. Als dies nach dem verlustreichen Feldzug gegen Ardaschir in Alexanders Heer bekannt wurde, verstärkte sich der Missmut der Soldaten aus dem Norden, die für den Perserkrieg in den Osten verlegt worden waren und nun erfuhren, dass ihre ungeschützt gebliebenen Angehörigen den Angriffen der Germanen ausgesetzt waren. Ihre Wut richtete sich gegen den Kaiser.[47] Die Soldaten waren an ihren gewohnten Stationierungsorten verwurzelt, Einsätze in fernen Regionen waren ihnen verhasst, und Alexander, der aus dem Osten stammte, war dem Verdacht ausgesetzt, dem Schutz seiner Heimatregion den Vorzug zu geben.[48]

Bei den germanischen Angreifern handelte es sich wohl um den Stammesverband der Alamannen, einen neuen Gegner der Römer. Die Lage war so bedrohlich, dass sich Mamaea und Alexander an die nördliche Front begeben mussten, da sie offenbar niemand das Oberkommando anvertrauen konnten. Sie zogen in der zweiten Jahreshälfte 234 oder Anfang 235 an den Rhein. Das römische Hauptquartier befand sich in Mogontiacum, dem heutigen Mainz.

Die Herrschaft des inzwischen sechsundzwanzigjährigen Kaisers, der weiterhin unter dem übermächtigen Einfluss seiner Mutter stand, war unter diesen Umständen besonders gefährdet, da er von den Soldaten nicht respektiert wurde und Mamaea als Frau an der Front keine Autorität hatte.[49] Angesichts der Schwäche des Oberbefehlshabers war für einen bei der Truppe beliebten Kommandeur die Versuchung zum Staatsstreich groß, zumal es keinen Thronfolger gab. Im Osten war es anscheinend bereits zur Erhebung des Gegenkaisers Taurinus gekommen, die jedoch folgenlos blieb, da der Usurpator im Euphrat ertrank. Eine weitere Gefahr lag darin, dass Caracalla das Militär finanziell verwöhnt hatte. Die durch solche Großzügigkeit anfallenden Zusatzkosten bildeten eine schwere Belastung des Staatshaushalts. Mamaea sparte konsequent und war daher als knauserig verhasst.[50] Zurückhaltung bei den gewohnten Sonderzuwendungen (Donativen) an die Soldaten musste bei der Truppe zu einer explosiven Lage führen. Das Ausbleiben schneller Kampferfolge und die unsoldatische Haltung des Kaisers trugen zur schlechten Stimmung bei. Die Kombination all dieser Faktoren führte zur Katastrophe.

Angesichts der prekären Verhältnisse scheuten Mamaea und Alexander das Risiko des Kampfes. Sie erstrebten wie schon im Perserkrieg eine Verhandlungslösung. Dabei fassten sie Zahlungen ins Auge, mit denen sie den Frieden erkaufen und vielleicht auch die Unterstützung germanischer Verbände bei der Grenzsicherung gewinnen wollten. Bei den Soldaten, die auf Sieg und Beute hofften und die Verhandlungsbereitschaft als Schwächezeichen deuteten, löste dieses Vorgehen zusätzliche Erbitterung aus.[51] Sie verübelten dem Kaiser, dass er nicht ihnen, sondern dem Feind gegenüber finanzielle Großzügigkeit zeigen wollte. Hinzu kam, dass die Soldaten bei einem Regierungswechsel mit dem üblichen großzügigen Donativ des neuen Herrschers rechnen konnten. Daher meuterte ein Teil des Heeres – hauptsächlich Rekruten aus Pannonien – und erhob den für die Rekrutenausbildung zuständigen ritterlichen Offizier Maximinus Thrax zum Kaiser. Maximinus versprach eine Verdoppelung des Soldes, eine üppige Sonderzuwendung und Amnestie bei allen Disziplinarstrafen.[52]

Es gelang Alexander nicht, loyale Einheiten zum Widerstand zu motivieren. Niemand wollte für ihn und seine Mutter kämpfen, seine Soldaten liefen zum Gegner über.[53] Auf Befehl des Maximinus wurden Mamaea und Alexander im März 235 in der Nähe von Mogontiacum in ihrem Zelt im Feldlager ermordet. Der Todesort vicus Britanniae wird von manchen Forschern mit Mainz-Bretzenheim identifiziert, doch ist diese Lokalisierung sehr umstritten.[54] Über Alexander wurde die damnatio memoriae verhängt. Manche Freunde und Günstlinge Alexanders ließ der neue Kaiser töten,[55] doch ist Herodians Behauptung, er habe sie alle umgebracht, sicher übertrieben.[56]

Mit Alexanders Tod endete die Dynastie der Severer. Sein Nachfolger Maximinus eröffnete die Epoche der Soldatenkaiser.

Ikonographie

Gold-Multiplum des Severus Alexander

Alexanders Münzen zeigen ihn zum Teil noch als bartlosen Knaben oder mit Bartflaum, später mit Schnurrbart und Backenbart. Auch auf den Münzbildnissen aus dem Erwachsenenalter macht er einen relativ jungen Eindruck. Gewöhnlich trägt er auf den Münzen einen Lorbeerkranz, selten einen Strahlenkranz. Die Rundplastiken lassen sich anhand der Münzbildnisse bestimmen; in manchen Fällen ist unklar, ob es sich tatsächlich um Alexander handelt.[57]

Rezeption

Antike und Mittelalter

Alexanders Nachfolger Maximinus regierte nicht lange, er wurde 238 von meuternden Soldaten ermordet. Damit trat ein Umschwung ein, denn nun setzten sich seine senatorischen Gegner durch. Maximinus verfiel der damnatio memoriae. Im Zuge dieser Entwicklung wurde Alexander vom Senat rehabilitiert. Es wurde nicht nur seine damnatio memoriae aufgehoben, sondern er wurde sogar zum divus („Göttlichen“) erhoben.[58] Im Rahmen des Kaiserkults wurde er fortan als Gottheit verehrt.

Die Hauptquellen sind die Geschichtswerke der Zeitgenossen Herodian und Cassius Dio sowie die Lebensbeschreibung Alexanders in der mehr als ein Jahrhundert nach den Ereignissen entstandenen Historia Augusta. Cassius Dio war unter Alexander Konsul. Er repräsentiert die senatorischen Kreise, für die Mamaeas und Alexanders Bilanz positiv war, und schildert den Kaiser wohlwollend. Seine Darstellung bricht vor dem Beginn des Germanenfeldzugs ab. Auch Herodian zeigt Sympathie für den letzten Severer. Er beschreibt ihn als sanft, gutwillig, gerecht und frei von Grausamkeit, betont aber auch missbilligend seine Abhängigkeit von seiner Mutter, der er die Schuld für das Scheitern des Kaisers gibt, und seinen Mangel an soldatischen Tugenden. Die Mutlosigkeit Alexanders in seinen letzten Lebenstagen schildert Herodian drastisch; er vermittelt den Eindruck, dass der Kaiser in einer gefährlichen Situation völlig überfordert war.[59] Herodians Glaubwürdigkeit wird von seiner Neigung zu dramatischen Effekten und zum Moralisieren beeinträchtigt.

Die positive Einschätzung der zeitgenössischen Geschichtsschreiber steigert sich in der Alexander-Biographie der spätantiken Historia Augusta zu einer Verherrlichung mit ausgeprägt legendenhaften Zügen. Hier verkörpert Alexander das Herrscherideal des unbekannten Autors; seine Lebensbeschreibung ist die längste aller Kaiserbiographien der Historia Augusta. Der Tod des letzten Severers erscheint als Zäsur in der römischen Geschichte, die den Übergang zu einer Periode der Instabilität und des Niedergangs markiert. Der Wert dieser Quelle wird von der Forschung gering veranschlagt. Ihre Angaben über angebliche Reformen Alexanders gelten heute als erfunden.[60] Auch Aurelius Victor und Eutropius, zwei weitere lateinisch schreibende spätantike Autoren, stellen Alexander als tüchtigen Kaiser und Sieger über die Perser dar.[61] Aurelius Victor vermerkt auch, dass nach Alexanders Tod der Niedergang des Reichs eingesetzt habe. Diese Geschichtsschreiber bezogen ihre Informationen aus der heute verlorenen Enmannschen Kaisergeschichte, die offenbar bereits ein solches Bild vermittelte.

Das insgesamt vorteilhafte Charakterbild Alexanders, das die erzählenden Quellen zeichnen, kontrastiert scharf mit ihren verdammenden Urteilen über seinen Vorgänger und seinen Nachfolger. Der letzte Severer erscheint als milder, tugendhafter, gerechter und populärer Herrscher.

Im 4. Jahrhundert stellte der pagane Kaiser Julian in seiner Satire Caesares Alexander als Narren und Jammergestalt dar,[62] wobei er von Herodians Angaben ausging. In der Satire wird Alexander verspottet, da er sich auch als Erwachsener nicht gegen seine Mutter durchgesetzt, sondern ihr die Kontrolle über die Finanzen überlassen habe.[63]

Bei spätantiken christlichen Autoren und in der byzantinischen Geschichtsschreibung fand die angebliche Frömmigkeit Mamaeas besondere Beachtung. Manche Autoren machten aus ihr eine Christin. Eine relativ ausführliche Darstellung von Alexanders Herrschaft gab im 12. Jahrhundert Johannes Zonaras.[64]

Forschung

Im 18. Jahrhundert dominierte noch das von der Historia Augusta gezeichnete traditionelle Bild eines klugen, tugendhaften, menschlichen und vom Volk geliebten Herrschers, das Edward Gibbon übernahm.[65] Noch Jacob Burckhardt war davon stark beeinflusst; er schrieb 1853, Alexander sei „ein wahrer Sanct Ludwig des Altertums“ gewesen, der „aus reinem sittlichem Willen“ den „unendlich vielen Versuchungen zum Despotismus“ widerstanden und „in die Bahn der Gerechtigkeit und der Milde“ eingelenkt habe. Dieser „im Verhältnis zu seiner Gesamtumgebung unbegreifliche Mensch“ habe „in einem Jahrhundert, welches nur von Furcht wusste“, keine Achtung erlangen können, sondern zwangsläufig scheitern müssen.[66]

Seit dem 19. Jahrhundert hat sich jedoch eine ungünstige Einschätzung durchgesetzt, wobei die verhängnisvolle Unselbständigkeit und mangelnde Entschlossenheit Alexanders hervorgehoben wird. Ein vernichtendes Urteil fällte Alfred von Domaszewski (1909). Er bezeichnete Alexander als den „jammervollsten aller Cäsaren“. Zu seiner Regierungszeit habe sich „auch der letzte Schein der Ordnung im Reiche“ aufgelöst, die Folge einer verfehlten Politik sei ein „vollständiger Zusammenbruch der ganzen Verwaltungsordnung“ gewesen.[67] Ernst Kornemann (1939) meinte, der „schwache, niemals zum Manne gereifte“ Alexander sei zu Unrecht von einer verdorbenen Überlieferung zu einer „Lichtgestalt mit einem seltsamen Heiligenschein“ gemacht worden. Dieses Bild sei von der kritischen Forschung als unhistorisch erwiesen worden.[68] Wilhelm Enßlin (1939) stellte fest, der junge Kaiser habe seine Aufgabe nicht erfüllen können, da er trotz seines Namens weder ein (Septimius) Severus noch ein Alexander (der Große) gewesen sei.[69] Alfred Heuß (1960) charakterisierte Alexander als „unbedeutenden, aber wenigstens harmlosen jungen Menschen“, aus dem „kein Mann geworden“ sei.[70] Für Hermann Bengtson (1973) war Alexander „ein schwacher, mittelmäßiger Herrscher, der weder auf politischem noch auf militärischem Gebiet irgend etwas Bemerkenswertes geleistet hat“; für seine Regierung sei „das Frauenregiment charakteristisch“ gewesen.[71] Auch Karl Christ (1988) weist darauf hin, dass Alexander „im Grunde niemals zur völligen Unabhängigkeit“ gelangt sei. Härte und Durchsetzungsvermögen hätten ihm gefehlt, er habe „nur von einer Krise zur andern lavieren“ können.[72] Bruno Bleckmann (2002), der Alexander als „Muttersöhnchen“ bezeichnet, meint, Mamaeas Machtentfaltung sei nicht mit orientalischer Frauenherrschaft zu erklären, sondern einfach damit, dass „der Kaiser noch ein halbes Kind war“. Zwar habe Alexander in seinen letzten Regierungsjahren wohl auch eigene Entscheidungen getroffen, doch seine Weigerung, den Soldaten die erwarteten Geldgeschenke zu machen, sei Ausdruck einer unrealistischen Haltung und angesichts der Zeitumstände ein fataler Fehler gewesen.[73]

Literatur

  • Bruno Bleckmann: Die severische Familie und die Soldatenkaiser. In: Hildegard Temporini-Gräfin Vitzthum (Hrsg.): Die Kaiserinnen Roms. Von Livia bis Theodora. Beck, München 2002, ISBN 3-406-49513-3, S. 265–339, hier: 284–298.
  • Robert Lee Cleve: Severus Alexander and the Severan Women. Los Angeles 1982 (Dissertation, University of California).
  • Fara Nasti: L’attività normativa di Severo Alessandro. Band 1: Politica di governo, riforme amministrative e giudiziarie. Satura, Napoli 2006, ISBN 88-7607-021-4.
  • Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum. Die severischen Kaiser im Spannungsfeld innenpolitischer Konflikte. Habelt, Bonn 1990, ISBN 3-7749-2466-X, S. 39–44, 80–91, 125–129.

Weblinks

 Commons: Severus Alexander – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Robert Lee Cleve: Severus Alexander and the Severan Women, Los Angeles 1982, S. 34–48; Barbara Levick: Julia Domna. Syrian Empress, London 2007, S. 6–18.
  2. Herodian 5,3,3–4.
  3. Zu den Einzelheiten dieser Entwicklungen siehe Robert Lee Cleve: Severus Alexander and the Severan Women, Los Angeles 1982, S. 96–106; Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 66–73.
  4. Cassius Dio 80 (79),19,4; Herodian 5,3,10 und 5,7,3. Bei der Angabe mancher Bücher von Cassius Dios Werk sind unterschiedliche Zählungen gebräuchlich; die alternative Buchzählung wird jeweils in Klammern angegeben.
  5. Helga Gesche: Die Divinisierung der römischen Kaiser in ihrer Funktion als Herrschaftslegitimation. In: Chiron 8, 1978, S. 377–390, hier: 387f.; Michael Louis Meckler: Caracalla and his late-antique biographer, Ann Arbor 1994, S. 9 und Anm. 34; Anne Daguet-Gagey: Septime Sévère, Paris 2000, S. 255f.; Drora Baharal: Victory of Propaganda, Oxford 1996, S. 20–42.
  6. Herodian 5,7,3; vgl. Cassius Dio 80 (79),17,3. Siehe dazu Auguste Jardé: Etudes critiques sur la vie et le règne de Sévère Alexandre, Paris 1925, S. 2f.; Angela Kühnen: Die imitatio Alexandri in der römischen Politik, Münster 2008, S. 186–188; Alfons Rösger: Severus Alexander und Alexander der Große. In: Wolfgang Will (Hrsg.): Zu Alexander d. Gr. Festschrift G. Wirth zum 60. Geburtstag am 9.12.86, Band 2, Amsterdam 1988, S. 885–906, hier: 885–892.
  7. Eine ausführliche Darstellung bietet Robert Lee Cleve: Severus Alexander and the Severan Women, Los Angeles 1982, S. 128–159.
  8. Belege bei Elizabeth Kosmetatou: The Public Image of Julia Mamaea. In: Latomus 61, 2002, S. 398–414, hier: S. 407 und Anm. 30.
  9. Herodian 6,1,2. Siehe dazu Karlheinz Dietz: Senatus contra principem, München 1980, S. 300–305.
  10. Zur Datierung siehe Erich Kettenhofen: Zum Todesdatum Julia Maesas. In: Historia 30, 1981, S. 244–249; James Frank Gilliam: On Divi under the Severi. In: Jacqueline Bibauw (Hrsg.): Hommages à Marcel Renard, Bd. 2, Bruxelles 1969, S. 284–289, hier: 285; Robert Lee Cleve: Severus Alexander and the Severan Women, Los Angeles 1982, S. 236–242.
  11. Zu den Inschriften siehe Erich Kettenhofen: Die syrischen Augustae in der historischen Überlieferung, Bonn 1979, S. 156–163, zu den Münzen Robert Lee Cleve: Severus Alexander and the Severan Women, Los Angeles 1982, S. 189–193.
  12. Herodian 6,1,3; Cassius Dio 80 (80),2,2.
  13. Eine ausführliche Untersuchung bietet Fara Nasti: Note sulla politica filosenatoria di Alessandro Severo con particolare riferimento alla Historia Augusta. In: Annali dell’Istituto italiano per gli studi storici 13, 1995/1996, S. 67–99.
  14. Zonaras 12,15.
  15. Cassius Dio 80 (80),2,3. Vgl. Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 41, 81, 128f.
  16. Nach der in der Forschung vorherrschenden Auffassung waren die beiden Präfekten Ulpian unterstellt. Zu einer abweichenden Hypothese, der zufolge Ulpian alleiniger Prätorianerpräfekt war, siehe Lukas de Blois: Ulpian’s Death. In: Pol Defosse (Hrsg.): Hommages à Carl Deroux, Bd. 3, Bruxelles 2003, S. 135–145, hier: 135–139.
  17. Cassius Dio 80 (80),2,4. Vgl. Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 41, 81–83. Zur Datierung der Vorgänge siehe Cécile Bertrand-Dagenbach: Alexandre Sévère et l’Histoire Auguste, Bruxelles 1990, S. 16 Anm. 6.
  18. Cassius Dio 80 (80),3,1. Vgl. Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 40–43, 84–87.
  19. Fara Nasti: L’attività normativa di Severo Alessandro. Band 1: Politica di governo, riforme amministrative e giudiziarie, Napoli 2006, S. 19f.
  20. Fara Nasti: L’attività normativa di Severo Alessandro. Band 1: Politica di governo, riforme amministrative e giudiziarie, Napoli 2006, S. 21f., 109.
  21. Fara Nasti: L’attività normativa di Severo Alessandro. Band 1: Politica di governo, riforme amministrative e giudiziarie, Napoli 2006, S. 41–50.
  22. Robert Lee Cleve: Severus Alexander and the Severan Women, Los Angeles 1982, S. 242f.
  23. Matthäus Heil: Severus Alexander und Orbiana. Eine Kaiserehe. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 135, 2001, S. 233–248, hier: 246f.
  24. Herodian 6,1,9f. Siehe dazu Matthäus Heil: Severus Alexander und Orbiana. Eine Kaiserehe. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 135, 2001, S. 233–248, hier: 234.
  25. Historia Augusta, Severus Alexander 49,3f.
  26. Siehe dazu Tadeusz Kotula: Die zwei Frauen des Severus Alexander: Resonanz einer politischen Spaltung? In: Gerhard Wirth (Hrsg.): Romanitas – Christianitas. Untersuchungen zur Geschichte und Literatur der römischen Kaiserzeit, Berlin 1982, S. 293–307. Kotula vertrat die Hypothese einer früheren Heirat des Kaisers. Er meinte, die nicht namentlich bekannte erste Frau sei Afrikanerin gewesen und von Mamaea ausgeschaltet und nach Afrika verbannt worden. Danach habe Mamaea ihrem Sohn Orbiana als neue Ehefrau ausgesucht.
  27. Matthäus Heil: Severus Alexander und Orbiana. Eine Kaiserehe. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 135, 2001, S. 233–248, hier: 234–244; Markus Handy: Die Severer und das Heer, Berlin 2009, S. 59.
  28. Markus Handy: Die Severer und das Heer, Berlin 2009, S. 59f.
  29. Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte 6,21,3f. Vgl. Enrico dal Covolo: La politica religiosa di Alessandro Severo. In: Salesianum 49, 1987, S. 359–375, hier: 365.
  30. Enrico dal Covolo: La politica religiosa di Alessandro Severo. In: Salesianum 49, 1987, S. 359–375, hier: 360–362, 364f.
  31. Historia Augusta, Severus Alexander 29.
  32. Enrico dal Covolo: La politica religiosa di Alessandro Severo. In: Salesianum 49, 1987, S. 359–375, hier: 370f.
  33. Lawrence Richardson, Jr.: A New Topographical Dictionary of Ancient Rome, Baltimore 1992, S. 15; Herbert W. Benario: Severan Rome and the Historia Augusta. In: Latomus 20, 1961, S. 281–290, hier: 287.
  34. Historia Augusta, Severus Alexander 39,4.
  35. Zu den Angaben der Historia Augusta über Bauwerke Alexanders und zu ihrer Glaubwürdigkeit siehe Herbert W. Benario: Severan Rome and the Historia Augusta. In: Latomus 20, 1961, S. 281–290.
  36. Engelbert Winter: Die sāsānidisch-römischen Friedensverträge des 3. Jahrhunderts n. Chr. – ein Beitrag zum Verständnis der außenpolitischen Beziehungen zwischen den beiden Großmächten, Frankfurt am Main 1988, S. 48.
  37. Zum Verlauf siehe Karin Mosig-Walburg: Römer und Perser, Gutenberg 2009, S. 26–28.
  38. Hinsichtlich der territorialen Ansprüche Ardaschirs gehen in der Forschung die Meinungen weit auseinander. Eine Forschungsübersicht bietet Erich Kettenhofen: Die Einforderung der achaimenidischen Territorien durch die Sāsāniden – eine Bilanz. In: Susanne Kurz (Hrsg.): Yādnāme-ye Iradj Khalifeh-Soltani, Aachen 2002, S. 49–75. Zu den Befürwortern der Historizität zählen Josef Wiesehöfer: Ardašīr I. I: History. In: Encyclopædia Iranica, Bd. 2, London 1987, S. 371–376, hier: 373 und Engelbert Winter: Die sāsānidisch-römischen Friedensverträge des 3. Jahrhunderts n. Chr. – ein Beitrag zum Verständnis der außenpolitischen Beziehungen zwischen den beiden Großmächten, Frankfurt am Main 1988, S. 31–43, 47f., 50f. Vgl. Dieter Metzler: Ziele und Formen königlicher Innenpolitik im vorislamischen Iran, Münster 1977, S. 138–142. Die Gegenposition vertreten u. a. Karin Mosig-Walburg: Römer und Perser, Gutenberg 2009, S. 27 und Anm. 66, David Potter: Alexander Severus and Ardashir. In: Mesopotamia 22, 1987, S. 147–157 und Erich Kettenhofen: Einige Überlegungen zur sasanidischen Politik gegenüber Rom im 3. Jh. n. Chr. In: Edward Dąbrowa (Hrsg.): The Roman and Byzantine Army in the East, Kraków 1994, S. 99–108, hier: 102–106.
  39. Herodian 6,2,3–5.
  40. Cassius Dio 80 (80),4.
  41. Herodian 6,4,4–6. Siehe dazu Engelbert Winter: Die sāsānidisch-römischen Friedensverträge des 3. Jahrhunderts n. Chr. – ein Beitrag zum Verständnis der außenpolitischen Beziehungen zwischen den beiden Großmächten, Frankfurt am Main 1988, S. 51f.
  42. Siehe dazu Karin Mosig-Walburg: Römer und Perser, Gutenberg 2009, S. 67–73; Engelbert Winter: Die sāsānidisch-römischen Friedensverträge des 3. Jahrhunderts n. Chr. – ein Beitrag zum Verständnis der außenpolitischen Beziehungen zwischen den beiden Großmächten, Frankfurt am Main 1988, S. 52f.
  43. Herodian 6,6,5–6.
  44. Engelbert Winter: Die sāsānidisch-römischen Friedensverträge des 3. Jahrhunderts n. Chr. – ein Beitrag zum Verständnis der außenpolitischen Beziehungen zwischen den beiden Großmächten, Frankfurt am Main 1988, S. 63f.
  45. Herodian 6,6,1–4. Vgl. Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 43, 87.
  46. Engelbert Winter: Die sāsānidisch-römischen Friedensverträge des 3. Jahrhunderts n. Chr. – ein Beitrag zum Verständnis der außenpolitischen Beziehungen zwischen den beiden Großmächten, Frankfurt am Main 1988, S. 67.
  47. Herodian 6,7,3.
  48. Robert Lee Cleve: Severus Alexander and the Severan Women, Los Angeles 1982, S. 301f.
  49. Herodian 6,8,3 und 6,9,5.
  50. Herodian 6,8,4; 6,9,4–5; 6,9,8.
  51. Herodian 6,7,9.
  52. Herodian 6,8,8. Zur Solderhöhung siehe Michael Alexander Speidel: Heer und Herrschaft im Römischen Reich der hohen Kaiserzeit, Stuttgart 2009, S. 350, 415.
  53. Herodian 6,9,1–5.
  54. Die Identifizierung mit Bretzenheim hat Leonhard Schumacher ausführlich begründet; siehe Leonhard Schumacher: Die Sicilia in Mainz-Bretzenheim. In: Mainzer Zeitschrift. Mittelrheinisches Jahrbuch für Archäologie, Kunst und Geschichte 99, 2004, S. 1–10 und Leonhard Schumacher: Römische Kaiser in Mainz, Bochum 1982, S. 89−92 (mit Zusammenstellung und Diskussion der älteren Literatur). Vgl. Auguste Jardé: Etudes critiques sur la vie et le règne de Sévère Alexandre, Paris 1925, S. 85 und Anm. 4, S. 86 Anm. 1. Gegen die Lokalisierung argumentiert mit großem Nachdruck Astrid Böhme-Schönberger: Wurde Alexander Severus in Bretzenheim ermordet? In: Mainzer Zeitschrift. Mittelrheinisches Jahrbuch für Archäologie, Kunst und Geschichte 99, 2004, S. 11–16. Ihr folgt Ronald Knöchlein: Bretzenheim – Zahlbach – Dalheim. Die archäologischen Zeugnisse bis in die fränkische Zeit, Mainz 2009, S. 28 und Anm. 21 und S. 45. Zur Frage der Datierung siehe Michael Peachin: P. Oxy. VI 912 and the Accession of Maximinus Thrax. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 59, 1985, S. 75−78.
  55. Herodian 6,9,8.
  56. Karlheinz Dietz: Senatus contra principem, München 1980, S. 305.
  57. Zu den Einzelheiten siehe Max Wegner: Severus Alexander. In: Max Wegner (Hrsg.): Das römische Herrscherbild, Abteilung 3 Band 1, Berlin 1971, S. 177–199 (mit Zusammenstellung der Rundplastiken). Vgl. Klaus Fittschen, Paul Zanker: Katalog der römischen Porträts in den Capitolinischen Museen und den anderen kommunalen Sammlungen der Stadt Rom. Band 1, 2. Auflage, Mainz 1994, Textband S. 117–123.
  58. Zum Hintergrund siehe Karlheinz Dietz: Senatus contra principem, München 1980, S. 340.
  59. Herodian 6,9; vgl. 6,1,6–8. Siehe dazu Thomas Hidber: Herodians Darstellung der Kaisergeschichte nach Marc Aurel, Basel 2006, S. 220–225; Asko Timonen: Cruelty and Death. Roman Historians’ Scenes of Imperial Violence from Commodus to Philippus Arabs, Turku 2000, S. 151–155.
  60. Eine gründliche Untersuchung bietet Cécile Bertrand-Dagenbach: Alexandre Sévère et l’Histoire Auguste, Bruxelles 1990.
  61. Aurelius Victor 24, Eutropius 8,23. Vgl. Engelbert Winter: Die sāsānidisch-römischen Friedensverträge des 3. Jahrhunderts n. Chr. – ein Beitrag zum Verständnis der außenpolitischen Beziehungen zwischen den beiden Großmächten, Frankfurt am Main 1988, S. 56–60.
  62. Julian, Caesares 313.
  63. Zur Interpretation siehe Friedhelm L. Müller (Hrsg.): Die beiden Satiren des Kaisers Julianus Apostata, Stuttgart 1998, S. 188.
  64. Die byzantinischen Quellentexte sind zusammengestellt, übersetzt und kommentiert bei Stephanie Brecht: Die römische Reichskrise von ihrem Ausbruch bis zu ihrem Höhepunkt in der Darstellung byzantinischer Autoren, Rahden 1999, S. 67–92. Vgl. Enrico dal Covolo: La politica religiosa di Alessandro Severo. In: Salesianum 49, 1987, S. 359–375, hier: 366–368.
  65. Edward Gibbon: The History of the Decline and Fall of the Roman Empire, Bd. 1, London 1776, S. 154–161.
  66. Jacob Burckhardt: Die Zeit Constantins des Großen, München 1982, S. 9f. (erstmals 1853 erschienen).
  67. Alfred von Domaszewski: Geschichte der römischen Kaiser, Bd. 2, Leipzig 1909, S. 279f.
  68. Ernst Kornemann: Römische Geschichte, Bd. 2, Stuttgart 1939, S. 347.
  69. Wilhelm Ensslin: The Senate and the Army. In: The Cambridge Ancient History, Bd. 12, Cambridge 1939, S. 57–95, hier: 72.
  70. Alfred Heuß: Römische Geschichte, Braunschweig 1960, S. 352.
  71. Hermann Bengtson: Römische Geschichte, München 1973, S. 329.
  72. Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit, München 1988 (6. Auflage München 2009), S. 629–631.
  73. Bruno Bleckmann: Die severische Familie und die Soldatenkaiser. In: Hildegard Temporini-Gräfin Vitzthum (Hrsg.): Die Kaiserinnen Roms, München 2002, S. 265–339, hier: 291, 298.
Vorgänger Amt Nachfolger
Elagabal Römischer Kaiser

222–235

Maximinus Thrax
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6030
Kaiserbiographien: Elagabal (218 – 222 n. Chr.) https://eindruecke.achmnt.eu/2014/09/11062/ Fri, 19 Sep 2014 08:59:33 +0000 http://www.aussichten-online.net/?p=5916 Read more…]]> prospectiva imperialia Nr. 24 [18.09.2014]

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Elagabal

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Elagabal (* 204 wahrscheinlich in Rom; † 11. März 222 in Rom), gräzisiert Heliogabalos, war vom 16. Mai 218 bis zu seiner Ermordung römischer Kaiser. Er hieß ursprünglich Varius Avitus Bassianus, nannte sich aber als Kaiser Marcus Aurelius Antoninus.

Für die antike und die neuzeitliche Nachwelt wurde der Name Elagabal zum Symbol für Lasterhaftigkeit und Dekadenz der römischen Kaiserzeit und für verhängnisvolle orientalische Kultureinflüsse; die moderne Forschung hat sich aber von solchen klischeehaften Vorstellungen befreit und zeichnet ein differenziertes Bild. Ein schwerer Konflikt zwischen konservativem Römertum und der syrischen religiösen Tradition, die der jugendliche Kaiser verkörperte, überschattete seine Regierungszeit. Elagabal scheiterte katastrophal an seinem Mangel an Kompromissbereitschaft und Verständnis für die mit der Kaiserwürde verbundenen Aufgaben; dennoch konnte die herrschende Dynastie sich über seinen Tod hinaus an der Macht halten.

Herkunft

Elagabal war von mütterlicher wie von väterlicher Seite syrischer Herkunft. Sein Vater Sextus Varius Marcellus, ein aus Apameia in Syrien stammender römischer Ritter, hatte in Rom unter Kaiser Septimius Severus als Verwaltungsbeamter Karriere gemacht und wurde dann unter dessen Sohn und Nachfolger Caracalla in den Senat aufgenommen und mit hochrangigen Ämtern betraut; zuletzt war er bis zu seinem Tod 217 Statthalter der Provinz Numidien in Nordafrika. Elagabals Mutter war Julia Soaemias Bassiana, die ältere der beiden Töchter der Julia Maesa, der Schwester der Kaiserin Julia Domna. Also war er mütterlicherseits Großneffe der Julia Domna, der Gemahlin des Septimius Severus und Mutter Caracallas. Er war somit kein Nachkomme des Septimius Severus, sondern nur von dessen Schwägerin. Die männliche Nachkommenschaft des Septimius Severus und der Julia Domna war mit der Ermordung Caracallas 217 ausgestorben, sodass die von Julia Domnas Schwester abstammende Seitenlinie zum Zug kommen konnte, obwohl sie mit Septimius Severus nicht blutsverwandt, sondern nur verschwägert war.

Elagabals Urgroßvater, der Vater von Julia Domna und Julia Maesa, hieß Julius Bassianus. Er hatte in Emesa (heute Homs in Syrien) das erbliche Amt eines Priesters des dort verehrten Gottes Elagabal inne. Von ihm stammt der Name Bassianus (wohl abgeleitet von dem orientalischen Priestertitel Basus), den nicht nur Kaiser Elagabal vor seiner Erhebung trug, sondern auch Caracalla und Elagabals Vetter und Nachfolger Severus Alexander. Die Familie des Julius Bassianus genoss in Emesa höchstes Ansehen, da ihr der Kult der dortigen obersten Gottheit anvertraut war, und verfügte in der Region über erhebliche Macht. Überregionale Bedeutung gewann die Familie und der von ihr gepflegte Elagabal-Kult aber erst infolge der Heirat von Julius Bassianus’ Tochter Julia Domna mit Septimius Severus, der damals (185) noch nicht Kaiser war.

Die Sippe des Bassianus war wohl arabischen Ursprungs. Anscheinend waren es Nachkommen des einstigen arabischen Fürstengeschlechts von Emesa, das dort noch im 1. Jahrhundert n. Chr. regiert hatte und in einem Vasallitätsverhältnis zum römischen Reich stand, bis Kaiser Domitian diese Eigenständigkeit beendete.

Erhebung

As des Elagabal

Der im Heer beliebte Kaiser Caracalla war am 8. April 217 auf Veranlassung des Macrinus, der sein unmittelbarer Nachfolger wurde, ermordet worden. Macrinus verbannte Julia Maesa in ihre Heimatstadt Emesa. Zusammen mit ihr mussten auch ihre Tochter Julia Soaemias und deren dreizehnjähriger Sohn Varius Avitus (Elagabal) Rom verlassen. In Rom hatte Elagabal seine Kindheit verbracht. Nun übernahm er in Emesa gemäß der Familientradition die Würde eines Elagabal-Priesters, die er bis zu seinem Tod beibehielt. Damals soll er durch außergewöhnliche körperliche Schönheit Eindruck gemacht haben. Den Namen „Elagabal“, der dem Gott vorbehalten war, hat er selbst nie getragen und auch von seinen Zeitgenossen nicht erhalten. Die aus falscher Etymologie entstandene Namensform „Heliogabalus“ ist für den Kaiser erst in Quellen des 4. Jahrhunderts bezeugt.

Die Verbannung der Julia Maesa erwies sich bald als schwerer Fehler, denn in Emesa verfügte sie über Vermögen und Einfluss und hatte reichlich Gelegenheit zur Agitation gegen Macrinus, der bei den Soldaten wegen seiner Sparmaßnahmen unbeliebt war. Da das Heer Caracalla ergeben war, hatte Macrinus seine Beteiligung an dessen Ermordung verheimlichen müssen. Nun wurde Elagabal als unehelicher Sohn Caracallas ausgegeben. Damit und durch finanzielle Anreize ließ sich eine in der Nähe stationierte Legion, die Legio III Gallica, dazu bewegen, Elagabal am 16. Mai 218 zum Kaiser auszurufen. Daraufhin nahm Elagabal zwecks weiterer dynastischer Legitimation den offiziellen Kaisernamen Marcus Aurelius Antoninus an, den bereits Caracalla getragen hatte. Zur Belagerung der Aufständischen herangerückte Truppen gingen zu Elagabal über, und die Rebellion weitete sich aus. Macrinus, der sich wegen des kürzlich beendeten Kriegs gegen die Parther noch in Syrien aufhielt, verlor am 8. Juni 218 die Entscheidungsschlacht in der Nähe von Antiocheia und wurde auf der anschließenden Flucht gefangengenommen und getötet. Elagabals Großmutter und Mutter waren auf dem Schlachtfeld anwesend und trugen wesentlich zum Sieg bei, indem sie in einer kritischen Kampfphase die schon fliehenden Truppen zum Standhalten bewogen.

Regierung

Denar des Elagabal

Nach seinem Sieg machte sich Elagabal auf die Reise nach Rom, wo er erst im Sommer 219 eintraf. In Anbetracht seines Alters übte seine Großmutter Julia Maesa faktisch die Regentschaft aus. Große Schwierigkeiten ergaben sich aber bald aus dem ausgeprägten Eigenwillen des jugendlichen Kaisers. Schon seine demonstrative Anknüpfung an seinen angeblichen Vater Caracalla brachte ihn in einen Gegensatz zur senatorischen Führungsschicht, die zu Caracalla in Opposition gestanden hatte. Der Senat hatte Caracallas Tod bejubelt und im Bürgerkrieg für Macrinus Partei ergriffen sowie Elagabal zum Staatsfeind erklärt.

Der neue Herrscher war nicht bereit, auf die Vorrechte des Senats und die Sitten und Interessen der führenden Kreise Rücksicht zu nehmen, sondern hielt sich, obwohl er in Rom aufgewachsen war, ganz an die Gepflogenheiten seiner orientalischen Heimat. So brüskierte er die Stadtrömer, indem er orientalische Priestertracht trug. 219 heiratete er eine vornehme Römerin, Julia Cornelia Paula, die er aber im folgenden Jahr verstieß. Eine zweite Ehe schloss er mit der Vestalin Julia Aquilia Severa, was aus römischer Sicht eine unerhörte Provokation war; darauf stand traditionell die Todesstrafe. Auf Drängen seiner Großmutter trennte er sich 221 von der Vestalin und ging eine dritte Ehe ein, kehrte aber noch vor dem Ende des Jahres zu Aquilia zurück.

Elagabal und seine Mutter waren bald allgemein verhasst. Julia Maesa erkannte, dass er sich nicht auf Dauer würde halten können, und bereitete eine Alternative vor. Sie hatte neben Julia Soaemias noch eine jüngere Tochter, Julia Mamaea. Es gelang ihr durchzusetzen, dass Julia Mamaeas Sohn Alexander am 26. Juni 221 von Elagabal adoptiert und mit dem Titel Caesar zum (nominellen) Mitregenten erhoben wurde. Damit war Alexander zugleich zum Nachfolger seines kaiserlichen Vetters designiert.

Der neue Mitregent war am 1. Oktober 208 geboren, also noch nicht dreizehnjährig. Dennoch war er schon bei den Soldaten beliebt, d.h. es wurde für ihn Propaganda gemacht. Es konnte Elagabal nicht verborgen bleiben, dass die Nachfolgeregelung entweder auf seinen Sturz abzielte oder zumindest von einem baldigen Ende seiner Herrschaft ausging. Daher versuchte er, den Caesar abzusetzen, musste aber erkennen, dass seine Macht dafür schon nicht mehr ausreichte. Wiederholt unternahm er Anschläge auf das Leben seines Vetters. Es wurde klar, dass nur einer der beiden überleben konnte. Da Elagabal militärischer Rückhalt fehlte, war er ohne Chance. Meuternde Soldaten, die von seiner Tante Julia Mamaea gesteuert wurden, ermordeten ihn und seine Mutter am 11. März 222. Der Leichnam des Kaisers wurde in den Tiber geworfen, und der Senat beschloss die damnatio memoriae. Alexander wurde sofort als Kaiser anerkannt. So konnte Julia Maesa vorerst über ihren anderen Enkel den Fortbestand der syrischen, nur dem Namen nach severischen Dynastie sichern.

Auf die Reichsverwaltung, für die sich Elagabal anscheinend kaum interessierte, scheinen die Turbulenzen in Rom unter seiner Herrschaft kaum Auswirkungen gehabt zu haben. Außenpolitisch herrschte Ruhe. Es kam allerdings wiederholt zu Soldatenaufständen, die rasch niedergeschlagen wurden; die beiden wichtigsten (Ausrufung der Gegenkaiser Verus und Gellius Maximus, beide 219) ereigneten sich bezeichnenderweise in Syrien, wo man das militärische Machtvakuum deutlich vor Augen hatte, das nach dem Tod Caracallas eingetreten war.

Religionspolitik

Die Religionspolitik Elagabals stand als vorrangiges Anliegen im Mittelpunkt seiner Regierungstätigkeit. Sie war das markanteste Element seiner Herrschaft und der wichtigste Anlass des Zerwürfnisses zwischen ihm und der Bevölkerung Roms sowie den senatorischen Kreisen. Der Gegensatz war unüberbrückbar, denn der Kaiser wollte nicht nur den vorhandenen Kulten einen neuen hinzufügen, sondern sein Ziel war die Einführung des Elagabal-Kults als Staatsreligion in der Hauptstadt und im gesamten Reich. Die bisherige römische Religion mit Jupiter als oberstem Staatsgott sollte zurückgedrängt und auf den zweiten Platz verwiesen werden. Zunächst war beabsichtigt, den Sonnengott Elagabal als Sol (Sonne) mit Jupiter gleichzusetzen; die römische Jupiterverehrung sollte durch Verschmelzung in dem neuen Kult aufgehen. Später wurde allen römischen Göttern eine untergeordnete Funktion gegenüber dem syrischen Sonnengott zugewiesen.

Den heiligen Stein von Emesa, der dort im Mittelpunkt des Elagabal-Kults stand, brachte der Kaiser nach Rom mit. Es war also von Anfang an geplant, den bisher nur in Emesa verehrten Elagabal zum Reichsgott zu machen. Auf dem Palatin wurde zur Unterbringung des Steins ein Tempel gebaut und eine Priesterschaft eingerichtet. Oberpriester war der Kaiser selbst. Mit einer prunkvollen Festprozession im Sommer waren Spiele und Volksbelustigungen verbunden.

Der Kaiser verkündete und feierte auch die „Heilige Hochzeit“ (Hieros gamos, siehe Hierogamie) des Gottes Elagabal; dieser sollte sich mit zwei Göttinnen vermählen, nämlich erst mit der jungfräulichen Athene (Minerva) und dann mit der karthagischen Urania (Dea Caelestis, Tinnit). Die Hochzeit des Herrschers mit der Vestalin Aquilia sollte die vollkommene göttliche Hochzeit auf der menschlichen Ebene abbilden; er war Oberpriester (sacerdos amplissimus dei invicti Solis Elagabali), sie Oberpriesterin (virgo Vestalis maxima). Aus dieser Verbindung erhoffte er gottähnliche Kinder. Dabei kollidierte Elagabal mit der völlig anderen Auffassung der Römer von den Aufgaben der zu strengster Keuschheit verpflichteten Vestalinnen. Die beiden Seiten standen einander mit ihren unvereinbaren religiösen Überzeugungen verständnislos gegenüber. Seine erste Frau hatte Elagabal wegen eines Körpermals verstoßen; aus römischer Sicht war das tyrannische Willkür, aus seiner Sicht eine religiöse Notwendigkeit, da priesterliche Funktionen körperliche Makellosigkeit erforderten.

Der Versuch des jugendlichen Kaisers, dem Reich eine neue, rein orientalische Staatsreligion zu verordnen und die jahrhundertealte religiöse Tradition der konservativen Römer zu verdrängen, war in der römischen Geschichte beispiellos und musste scheitern. Die unglaubliche Kühnheit des Vorhabens wurde noch gesteigert durch das schroffe und radikale Vorgehen bei der Etablierung des neuen, den Römern fremden und unbegreiflichen Staatskultes. Erstaunlich (aber auch als Symptom bedeutsam) ist, dass dieses Unternehmen immerhin einige Jahre Bestand hatte. Erklärbar ist das Verhalten Elagabals nur, wenn man davon ausgeht, dass er sich tatsächlich – wie seine Münzprägung andeutet – unter dem Schutze seines Gottes als dessen oberster Priester für unangreifbar hielt. Dann werden auch seine anderen unbesonnenen, ja tollkühn anmutenden Schritte und die Ignorierung römischer Sitten begreiflich.

Schon vor Kaiser Elagabal gab es in Rom eine Sonnengott-Verehrung (Sol invictus), die besonders Caracalla förderte. Daran konnte Elagabal anknüpfen. Diese Strömung, die im späten 3. Jahrhundert einen großen Aufschwung erlebte, mag orientalisch beeinflusst gewesen sein. Sie darf aber nicht mit dem Elagabal-Kult gleichgesetzt oder verwechselt werden. Gegen einen Sonnenkult hatte man in Rom grundsätzlich nichts einzuwenden; als Staatsreligion unannehmbar war aber für die Römer die besondere Ausprägung, die Elagabal aus Emesa mitgebracht hatte.

Von staatlichen Maßnahmen gegen unerlaubte Religionen wie das Christentum ist aus der Regierungszeit Elagabals nichts bekannt.

Quellen

Die wichtigste erzählende Quelle ist die relativ ausführliche Darstellung des Zeitgenossen Cassius Dio, der allerdings – voller Empörung – aus der Sicht des Senats berichtet und ein Günstling von Elagabals Todfeind und Nachfolger war. Ebenfalls zeitgenössisch ist die nüchternere Schilderung Herodians. Erst im späten 4. oder gar frühen 5. Jahrhundert entstand die Lebensbeschreibung Elagabals in der Historia Augusta. Sie bietet viel Erfundenes und Unglaubhaftes, daneben aber auch wertvolle Informationen aus einer verlorenen zeitgenössischen Quelle (vielleicht Marius Maximus). Von hohem Wert sind die archäologischen Quellen (Münzen, Inschriften und ein Figurenkapitell).

Wie bei anderen Kaisern, die nach ihrem Tod der damnatio memoriae verfielen, ist auch im Falle Elagabals das Urteil der antiken Nachwelt einhellig vernichtend ausgefallen. In der Historia Augusta erscheint er als finsteres Gegenbild zu seinem idealisierten Nachfolger. Die ihm feindliche Literatur schildert ihn als brutal, barbarisch, despotisch, hemmungslos, feige und pervers. Zur Illustration wird eine Fülle von Skandalgeschichten ausgebreitet. Hier begegnen alle Stereotypen, die aus der Sicht konservativer Römer zum Bild eines abstoßenden Orientalen gehörten, bis hin zur Opferung von Kindern. Daher ist der Name Elagabal für die Nachwelt bis in unsere Zeit zum Inbegriff spätrömischer Dekadenz geworden.

Ein Großteil der Skandalgeschichten ist sexueller Natur. Hierbei ist zu beachten, dass in Elagabals Religion (wie in anderen orientalischen Kulten) der sakrale und der sexuelle Bereich unlöslich miteinander zusammenhingen, ja völlig vermischt waren. Dass der Kaiser nach orientalischem Brauch beschnitten war, war den Römern ein Greuel. Vor diesem Hintergrund sind auch Berichte über Orgien, Homosexualität und Transsexualität, (sakrale) Prostitution, ein Streben Elagabals nach Androgynie und sogar nach Kastration zu deuten. All dies hatte (soweit es zutrifft) eine religiöse Wurzel, für die die römischen Geschichtsschreiber wenig Verständnis aufbringen konnten. Dies gilt auch für Elagabals Gewohnheit des (kultischen) Tanzes und seine fremdartige Priesterkleidung (Kleiderluxus wurde in Rom missbilligt). Der modernen Religionswissenschaft sind die Phänomene vertraut.

Rezeption

Im Mittelalter beruhten die Kenntnisse über Elagabal auf knappen Angaben spätantiker Quellen, nämlich der patristischen Autoren Orosius und Hieronymus und der Epitome de Caesaribus. Entsprechend kurz behandeln ihn daher z.B. Otto von Freising und Vinzenz von Beauvais. In der Renaissance wurde die Quellenbasis stark verbreitert; Giovanni Boccaccio widmete in seinem lateinischen Werk Über berühmte Frauen der Mutter Elagabals ein ausführliches Kapitel, worin er das Thema unter dem Aspekt der Unwürdigkeit einer Dirnenherrschaft behandelte. Damit wurde bereits ein Gesichtspunkt aufgegriffen, der in der Folgezeit neben dem Topos der Hingabe an „jedes erdenkliche Laster“ in der Elagabal-Rezeption eine Rolle spielte, nämlich die Darstellung Elagabals als Sohn einer Hure, verbunden mit der Warnung vor den Folgen einer Einflussnahme sittenloser Frauen auf die Staatsführung. Daran knüpfte sich nicht selten eine generell ablehnende Haltung gegenüber weiblicher Machtausübung. Später trat ein anderer Aspekt in den Vordergrund, nämlich die Vorstellung einer spezifisch orientalischen Despotie Elagabals, die schon bei Edward Gibbon anklingt und im 19. und frühen 20. Jahrhundert dominierte. Da war oft von einem kulturellen Sieg orientalischer Barbarei über traditionelle römische Würde und Tugend die Rede.

Die Gestalt Elagabals hat seit dem späten 19. Jahrhundert zahlreiche Schriftsteller, Maler und Musiker inspiriert. Besonders in Kreisen, wo das Dekadenzbewusstsein die Grundstimmung prägte, faszinierte dieser Stoff. Von dem britischen Maler Lawrence Alma-Tadema stammt das 1888 entstandene berühmte Ölgemälde The Roses of Heliogabalus; es illustriert die Erzählung der Historia Augusta, dass bei einem Bankett Elagabals einige der Gäste unter der Unmenge duftender Blütenblätter erstickt seien, die der Kaiser von der Decke auf sie hinabfallen ließ. Stefan George schuf 1892 den Gedichtkreis Algabal, wobei er die Geschichtsquellen zu Elagabal sorgfältig studierte. Sein Anliegen war, die sakrale Verbindung von priesterlicher und herrscherlicher Würde in ihrem Traumcharakter und ihrem Zusammenhang mit dem Künstlertum im Sinne des Symbolismus spürbar zu machen. Der niederländische Schriftsteller Louis Couperus schrieb den historischen Roman De berg van licht in drei Bänden, der bei seinem Erscheinen 1905/1906 einen Skandal auslöste. Der amerikanische Satiriker Henry Louis Mencken verfasste einen Dreiakter Heliogabalus (1920). Der französische Dramatiker Antonin Artaud schrieb 1934 die romanhafte Biographie Héliogabale ou L’anarchiste couronné (deutsch: Heliogabal oder Der Anarchist auf dem Thron, München 1980). Die berühmteste musikalische Deutung des Elagabal-Stoffs ist Hans Werner Henzes 1972 uraufgeführtes Orchesterwerk (Allegoria per musica) Heliogabalus Imperator. 1981 schuf Sylvano Bussotti die Ballette Phaidra/Heliogabalus.

Siehe auch

Literatur

  • Martin Frey: Untersuchungen zur Religion und zur Religionspolitik des Kaisers Elagabal, Wiesbaden und Stuttgart 1989, ISBN 3-515-05370-0.
  • G. Ray Thompson: Elagabalus: Priest-Emperor of Rome (Diss. University of Kansas), Lawrence (Kansas) 1972.
  • Michael Pietrzykowski: Die Religionspolitik des Kaisers Elagabal, in: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Band II 16, 3 (hrsg. von Wolfgang Haase), Berlin und New York 1986, S. 1806–1825, ISBN 3-11-008289-6.

Weblinks

 Commons: Elagabal – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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Kaiserbiographien: Macrinus (217 – 218 n. Chr.) https://eindruecke.achmnt.eu/2014/09/5823/ Sat, 06 Sep 2014 13:08:26 +0000 http://www.aussichten-online.net/?p=5823 Read more…]]> prospectiva imperialia Nr. 23 [06.09.2014]

DE IMPERATORIBUS ROMANIS

An Online Encyclopedia of Roman Rulers

DIR Atlas

Macrinus (217 – 218 A.D.)

Michael L. Meckler

Ohio State University

[Macrinus stand nur durch seinen Beinamen Severus in der Tradition der severischen Dynastie, Anm. d. Red.]

Abb.: http://www.luc.edu/roman-emperors/macrinus.jpg

Marcus Opellius Macrinus was the first emperor who was neither a senator nor of a senatorial family at the time of his accession. His 14-month reign was spent entirely in the East, where he proved unable to maintain the influence gained in the region by the campaigns of his predecessor, Caracalla, nor was Macrinus able to shake the suspicion that he was responsible for Caracalla’s murder.

Macrinus was born in Caesarea in Mauretania around the year 165. While it is highly conjectural that, as a young man, the future emperor was the dedicatee of Ampelius‘ encyclopedic Liber  memoralis, Macrinus undoubtedly received a literary education that enabled him to rise high as a bureaucrat in the imperial service during the reign of the emperor Severus. Caracalla made Macrinus a praetorian prefect, an equestrian post that was second to the emperor in power. Macrinus shared the position with the experienced soldier Adventus, and the pair served Caracalla during the emperor’s campaigns in the East.

By the end of the second campaigning season in the winter of 216-17, rumors were flying both in Rome and in the East that Macrinus was promoting himself as a possible future emperor. Caracalla must have been aware of the rumors concerning Macrinus, for the contemporary historian Cassius Dio notes the emperor was already reassigning members of Macrinus‘ staff. Such personnel moves may have accelerated Macrinus‘ plot.

Shortly before the campaigning season was to begin, Caracalla paid a visit to a temple near Carrhae. The emperor was accompanied by a hand-picked corps of bodyguards. The guards returned with Caracalla’s murdered body along with the body of one of the guards and a story that the dead guard killed the dead emperor. Not everyone was convinced, but Macrinus was able to translate his authority as praetorian prefect into that of emperor, being proclaimed by the troops on 11 April 217. Macrinus soon named his son, Diadumenianus, as Caesar and heir. The new emperor also got his former colleague, Adventus, out of the way by sending him back to Rome as urban prefect.

Macrinus straightaway sent conciliatory messages to the Parthian ruler Artabanus V, but Artabanus sensed weakness and raised an army to avenge his losses from the previous year’s campaign. Macrinus hoped to avoid a battle with the Parthians, but fighting erupted between the armies while both sides were encamped around Nisibis. The Parthians gained victory and, during the following autumn and winter, peace negotiations were held. Macrinus ended up paying the Parthians large bribes and reparations. Settlements were also reached with the Armenians, and, in the lower Danube, with the Dacians, who had launched attacks on the Romans after learning of Caracalla’s death.

By not returning to Rome in 217, Macrinus opened himself to criticism. Dissatisfaction was especially high in the city after a particularly violent, late-August thunderstorm started a fire that damaged much of the Colosseum and caused widespread flooding, especially in the Forum. Adventus proved himself incompetent as urban prefect and had to be replaced.

But grumblings in Rome were insignificant compared to the growing unease among the soldiers on campaign in the East. The defeat at Nisibis disheartened troops. Macrinus also introduced an  unpopular, two-tier pay system in which new recruits received less money than veterans. The move was a way to save money after the pay raise granted by Caracalla, but it lowered morale as well.

Earlier, Caracalla’s mother, Julia Domna, had toyed with the idea of raising a rebellion against Macrinus shortly after her son’s murder, but the empress was uncertain of success and already suffering from breast cancer. She chose to starve herself to death instead.

The grandchildren of her sister, Julia Maesa, would become the focus of the successful uprising that began on 15 May 218. Her 14-year-old grandson Avitus (known to history as Elagabalus) was proclaimed emperor by one the legions camped near the family’s hometown of Emesa. Other troops quickly joined the rebellion, but Macrinus marshalled loyal soldiers to crush the revolt. Macrinus also promoted his son to the rank of emperor.

The forces met in a village outside Antioch on 8 June 218. Despite the inexperience of the leaders of the rebel army, Macrinus was defeated. He sent his son, Diadumenianus, with an ambassador to the Parthian king, while Macrinus himself prepared to flee to Rome. Macrinus traveled across Asia Minor disguised as a courier and nearly made it to Europe, but he was captured in Chalcedon.  Macrinus was transported to Cappadocia, where he was executed. Diadumenianus had also been captured (at Zeugma) and was similarly put to death.

Contemporaries tended to portray Macrinus as a fear-driven parvenu who was able to make himself emperor but was incapable of the leadership required by the job. An able administrator, Macrinus lacked the aristocratic connections and personal bravado that might have won him legitimacy. His short reign represented a brief interlude of Parthian success during what would prove the final decade of the Parthian empire.

PRIMARY SOURCES

Cassius Dio, Roman history, book 78 (available in English translation in the Loeb Classical Library)

Herodian, books 4-5 (also available in the Loeb Classical Library)

Historia Augusta, Life of Macrinus (highly untrustworthy; English translations available in the Loeb Classical Library and in a Penguin translation, Lives of Later Caesars, tr. Anthony Birley

RECENT BIBLIOGRAPHY:

Drora Baharal, Emperor Macrinus: imperial propaganda and the Gens Aurelia (diss. Tel Aviv Univ., 1996)

André Chastagnol, Histoire Auguste (Paris: Robert Laffont, 1994), pp.443-49

Fergus Millar, The Roman Near East (Cambridge, Mass.: Harvard, 1993), pp.144-46

Robert Turcan, Histoire Auguste, t.III,1, Vies de Macrin, Diadumenien, Heliogabale (Paris: Les Belles Lettres [Budé], 1993)


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Comments to: Michael L. Meckler, Updated: 6 January 2006

Unveränd. Zweitpubl. v. Michael L. Meckler: Macrinus (217 – 218 A.D.), in: De Imperatoribus Romanis. An Online Encyclopedia of Roman Rulers [06.01.2006], http://www.luc.edu/roman-emperors/macrinus.htm.

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Kaiserbiographien: Caracalla (211 – 217 n. Chr.) https://eindruecke.achmnt.eu/2014/08/5771/ Wed, 27 Aug 2014 16:11:46 +0000 http://www.aussichten-online.net/?p=5771 Read more…]]> prospectiva imperialia Nr. 22 [27.08.2014]

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Caracalla

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Caracalla (* 4. April 188 in Lugdunum, dem heutigen Lyon; † 8. April 217 in Mesopotamien) war von 211 bis zu seinem Tod römischer Kaiser. Sein offizieller Kaisername war – in Anknüpfung an den beliebten Kaiser Mark AurelMarcus Aurelius Severus Antoninus. „Caracalla“ war nur ein Spitzname, der von der Bezeichnung seines Kapuzenmantels abgeleitet wurde.

Caracallas Vater Septimius Severus, der Begründer der severischen Dynastie, erhob ihn 197 zum Mitherrscher. Nach dem Tod des Vaters am 4. Februar 211 trat er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Geta die Nachfolge an. Schon im Dezember 211 ließ er Geta ermorden. Anschließend veranstaltete er in Rom ein großes Massaker an Anhängern Getas. Fortan regierte er unangefochten als Alleinherrscher.

Caracalla kümmerte sich vor allem um militärische Belange und begünstigte die Soldaten. Damit setzte er einen schon von seinem Vater eingeschlagenen Kurs fort, der auf die Epoche der Soldatenkaiser vorauswies. Wegen der Brutalität seines Vorgehens gegen jede tatsächliche oder vermeintliche Opposition wurde er von der zeitgenössischen senatorischen Geschichtsschreibung sehr negativ beurteilt. Bei den Soldaten hingegen erfreute er sich großer Beliebtheit, die über seinen Tod hinaus anhielt.

Bei der Vorbereitung eines Feldzugs gegen die Parther wurde Caracalla von einer kleinen Gruppe von Verschwörern aus persönlichen, nicht politischen Motiven ermordet. Da er kinderlos war, starb mit ihm die männliche Nachkommenschaft des Dynastiegründers Septimius Severus aus.

Die Maßnahmen, mit denen Caracalla in erster Linie der Nachwelt in Erinnerung blieb, waren der Bau der Caracalla-Thermen und die Constitutio Antoniniana, ein Erlass von 212, mit dem er fast allen freien Reichsbewohnern das römische Bürgerrecht verlieh. Die moderne Forschung folgt weitgehend der ungünstigen Beurteilung seiner Regierungszeit durch die antiken Quellen, rechnet aber bei den Angaben der ihm feindlich gesinnten Geschichtsschreiber mit Übertreibungen.

Leben bis zum Herrschaftsantritt

Kindheit

Caracalla mit seinen Eltern und seinem Bruder auf einem zeitgenössischen Tondo, Antikensammlung Berlin. Getas Gesicht wurde nach seiner Ermordung getilgt.[1]

Caracalla wurde am 4. April 188 im heutigen Lyon geboren, dem Verwaltungssitz der Provinz Gallia Lugdunensis.[2] Er war der ältere der beiden Söhne des künftigen Kaisers Septimius Severus, eines Afrikaners, der damals Statthalter dieser Provinz war. Nur elf Monate später kam sein Bruder Geta zur Welt. Seine Mutter Julia Domna, die zweite Frau des Septimius Severus, stammte aus einer sehr vornehmen Familie; ihre Heimatstadt war Emesa (Homs) in Syrien. Caracalla erhielt den Namen Bassianus[3] nach seinem Großvater mütterlicherseits, einem Priester des in Emesa verehrten Sonnengottes Elagabal.

Einen erheblichen Teil seiner Kindheit verbrachte Caracalla in Rom. Sein Vater war ab 191 Statthalter der Provinz Oberpannonien. Die Kinder der Provinzstatthalter mussten auf Anordnung des Kaisers Commodus in Rom bleiben, denn der misstrauische Kaiser wollte sich gegen das Risiko von Aufständen der Statthalter absichern, indem er ihre Kinder in seinem unmittelbaren Machtbereich behielt.[4] Als Kind soll sich Caracalla durch angenehme Eigenschaften ausgezeichnet haben.[5] Er war fünf Jahre alt, als sein Vater am 9. April 193 von den Donaulegionen zum Kaiser ausgerufen wurde. Von Mitte 193 bis 196 hielt er sich mit seinem Vater im Osten des Reichs auf, dann kehrte er über Pannonien nach Rom zurück.

Septimius Severus gab sich ab Frühjahr 195 zum Zweck der Legitimierung seiner Herrschaft als Adoptivsohn des 180 gestorbenen Kaisers Mark Aurel aus.[6] Mit dieser Fiktion wollte er sich in die Tradition der Adoptivkaiser stellen, deren Epoche als Glanzperiode der römischen Geschichte galt. Daher erhielt auch Caracalla als fiktiver Enkel Mark Aurels ab 195/196 den Namen dieses beliebten Herrschers: Er hieß fortan Marcus Aurelius Antoninus, wurde also wie sein Vater als Angehöriger von Mark Aurels Familie, des Kaisergeschlechts der Antonine, betrachtet. An dieser Fiktion hielt er stets fest. Geta hingegen wurde nicht umbenannt, also nicht fiktiv in das Geschlecht der Antonine aufgenommen. Darin zeigte sich schon damals eine Bevorzugung seines ein Jahr älteren Bruders.[7] Entweder schon Mitte 195 oder spätestens 196 wurde Caracalla der Titel Caesar verliehen, womit er zum künftigen Kaiser designiert wurde.[8] Dieser Schritt markierte den Bruch zwischen Septimius Severus und dessen Rivalen Clodius Albinus, der Britannien unter seiner Kontrolle hatte. Albinus hatte sich im Jahr 193 Hoffnungen auf die Kaiserwürde gemacht, war aber von Severus mit dem Caesartitel und der Aussicht auf die Nachfolge abgefunden worden. Diese Regelung war mit Caracallas Erhebung zum Caesar hinfällig. Daher brach der 193 noch vermiedene Bürgerkrieg zwischen Severus und Albinus nun aus. Nach dem Sieg des Severus in dem Krieg, in dem Albinus den Tod fand, stand Caracallas Anspruch auf die Nachfolge seines Vaters nichts mehr im Wege.

Als Kaisersohn erhielt Caracalla eine sorgfältige Erziehung. Daher war er nicht ungebildet; als Kaiser war er in der Lage, sich an intellektuellen Gesprächen zu beteiligen, und schätzte rhetorische Fähigkeiten.[9]

197 begleitete Caracalla zusammen mit seinem Bruder Geta den Vater auf dessen zweitem Feldzug gegen die Parther. Schon im Frühjahr 197 wurde er offiziell als designierter Kaiser und Teilhaber der Herrschaft bezeichnet. Im Herbst 197 oder spätestens 198 wurde er zum Augustus erhoben; fortan nannte man ihn Marcus Aurelius Severus Antoninus Augustus.[10] Gleichzeitig erhielt Geta den Caesartitel. Die Kaiserfamilie blieb noch einige Zeit im Orient; 199 reiste sie nach Ägypten, wo sie sich bis 200 aufhielt. Erst 202 kehrte sie nach Rom zurück. In diesem Jahr war Caracalla zusammen mit seinem Vater ordentlicher Konsul.

Heirat und Konflikte der Jugendzeit

Denar der Plautilla

Im April 202 wurde Caracalla, mit 14 Jahren nunmehr mündig, von seinem Vater gegen seinen Willen mit Publia Fulvia Plautilla verheiratet, die den Titel Augusta erhielt. Sie war die Tochter des Prätorianerpräfekten Gaius Fulvius Plautianus. Plautianus stammte aus Leptis Magna in Libyen, der Heimatstadt des Septimius Severus. Er hatte dank der Gunst des Kaisers eine außerordentliche Machtstellung errungen, die er durch die Verschwägerung mit dem Kaiserhaus absichern wollte. Seine Machtfülle wurde aber von der Kaiserin Julia Domna als Bedrohung wahrgenommen und brachte ihn mit ihr in Konflikt. Caracalla, der Plautianus als Rivalen sah, hasste seine Frau und seinen Schwiegervater und wollte beide beseitigen. Mit einer Intrige führte er 205 den Sturz des Plautianus herbei, wobei er sich der Hilfe seines Erziehers, des Freigelassenen Euodus, bediente. Euodus veranlasste drei Centurionen, Plautianus eines Mordplans gegen Severus und Caracalla zu bezichtigen; sie behaupteten, der Präfekt habe sie zu einem Attentat angestiftet. Severus schenkte ihnen Glauben und lud Plautianus vor, doch erhielt der Beschuldigte keine Gelegenheit zur Rechtfertigung, da Caracalla ihn nicht zu Wort kommen ließ. Nach der Darstellung des zeitgenössischen Geschichtsschreibers Cassius Dio versuchte Caracalla seinen Feind in Anwesenheit des Kaisers eigenhändig umzubringen, wurde aber von Severus daran gehindert. Darauf ließ er Plautianus von einem seiner Begleiter töten, offenbar mit Billigung des Kaisers. Plautilla wurde auf die Insel Lipari verbannt.[11] Nach seinem Regierungsantritt ordnete Caracalla ihre Beseitigung an; über sie wurde die damnatio memoriae verhängt. Auch Euodus wurde später auf Befehl Caracallas hingerichtet.

Schon in früher Jugend war es zu einer ausgeprägten Rivalität der beiden Brüder Caracalla und Geta gekommen, die sich im weiteren Verlauf ihres Lebens beständig verschärfte und in tödlichen Hass verwandelte. Vergeblich bemühte sich Septimius Severus, die Feindschaft zwischen seinen Söhnen zu mildern und gegenüber der Öffentlichkeit zu vertuschen, etwa durch die Prägung von Münzen der Concordia (Eintracht),[12] zweimaliges gemeinsames Konsulat Caracallas und Getas in den Jahren 205 und 208 und die Fernhaltung der Söhne von Rom.[13] Am Britannienfeldzug des Kaisers, den er 208–211 gegen die im heutigen Schottland lebenden Kaledonier und Mäaten unternahm, nahmen beide Söhne teil. 209 erhielt Geta die Würde eines Augustus, wurde also rangmäßig seinem bisher bevorzugten Bruder gleichgestellt.[14] Da die Kämpfe sich hinzogen und Septimius Severus bereits bei schlechter Gesundheit war, musste er 210 Caracalla mit der alleinigen Leitung der militärischen Operationen betrauen. Geta hingegen erhielt kein Kommando. Ab 210 führte Caracalla den Siegernamen Britannicus maximus, den auch sein Vater und sein Bruder annahmen. Er soll versucht haben, den Tod des Kaisers zu beschleunigen, indem er dessen Ärzte und Bedienstete unter Druck setzte, dem Kranken etwas anzutun.[15] Septimius Severus starb am 4. Februar 211 in Eburacum (heute York).

Regierungszeit

Herrschaftsantritt und Machtkampf mit Geta

Denar Getas

Wie Septimius Severus es vorgesehen hatte, traten seine beiden Söhne gemeinsam die Herrschaft an. Sie schlossen mit den Kaledoniern und Mäaten Frieden und verzichteten damit auf die wohl ursprünglich geplante Besetzung von Gebieten im heutigen Schottland. Somit wurde der Hadrianswall wieder die nördliche Grenze des römischen Territoriums in Britannien.

Caracalla und Geta kehrten mit getrenntem Hofstaat nach Rom zurück. Dort schützten sich beide durch sorgfältige Bewachung voreinander. Als Präzedenzfall und Vorbild für dieses Regierungsmodell konnte die gemeinsame Herrschaft von Mark Aurel und dessen Adoptivbruder Lucius Verus im Zeitraum 161–169 dienen. Damals hatte ein klarer Rangunterschied zwischen den beiden Kaisern bestanden. Bei Caracalla und Geta hingegen war die Situation anders: Zwar hatte der ältere Bruder von Anfang an das entscheidende Wort, doch fehlte eine eindeutige, einvernehmliche Regelung der Rangordnung und Befugnisse. Ein Doppelkaisertum gleichberechtigter Herrscher hätte nur durch eine Reichsteilung umgesetzt werden können. Der Geschichtsschreiber Herodian behauptet, es sei tatsächlich erwogen worden, das Römische Reich zu teilen und Geta den Osten zuzuweisen, doch sei dieser Plan verworfen worden, denn Julia Domna, die Mutter der beiden Kaiser, habe sich dem Vorhaben nachdrücklich widersetzt.[16] Dieser Bericht gilt aber nach heutigem Forschungsstand als unglaubwürdig; Versuche, in epigraphischem Material eine Bestätigung dafür zu finden, sind gescheitert.[17]

Geta war zumindest bei einem Teil der Soldaten beliebt. Daher wagte Caracalla vorerst nicht offen gegen ihn vorzugehen. Die römische Stadtbevölkerung, die Prätorianer und die in der Hauptstadt und ihrer Umgebung stationierten Truppen waren gespalten oder unschlüssig, so dass ein Bürgerkrieg bevorzustehen schien.[18]

Schließlich gelang es Caracalla im Dezember 211 – nicht, wie früher vermutet wurde, erst im Februar 212 –, den Bruder in einen Hinterhalt zu locken.[19] Er veranlasste seine Mutter, ein Versöhnungsgespräch im kaiserlichen Palast zu arrangieren. Leichtsinnigerweise folgte Geta der Einladung der Mutter, denn er meinte, in ihrer Anwesenheit vor seinem Bruder sicher zu sein. Der Ablauf der tödlichen Begegnung ist unklar. Nach der Schilderung des zeitgenössischen Geschichtsschreibers Cassius Dio, die als die glaubwürdigste gilt, hatte Caracalla Mörder bestellt, die seinen Bruder in den Armen der Mutter töteten, wobei sie an der Hand verletzt wurde.[20] Offenbar hat er auch selbst zugeschlagen, denn später weihte er das Schwert, das er dabei verwendet hatte, im Serapeion von Alexandria der dort verehrten Gottheit Serapis.[21] Anschließend wurde über Geta die damnatio memoriae verhängt und die Tilgung seines Namens in allen öffentlichen Denkmälern und Schriftstücken mit größter Gründlichkeit betrieben; sogar seine Münzen wurden eingeschmolzen.[22]

Der nunmehrige Alleinherrscher rechtfertigte den Mord mit der Behauptung, nur einem Anschlag Getas zuvorgekommen zu sein. Am Tag nach der Tat hielt er im Senat eine Rede, in der er seine Sichtweise darlegte und zugleich mit der Ankündigung einer Amnestie für Verbannte Sympathie zu gewinnen versuchte.[23] Für die Öffentlichkeit war die Mordtat aber ein unerhörter Tabubruch, von dem sich Caracallas Ansehen niemals erholen sollte. Die Prätorianer gewann er mit einer Solderhöhung und Geldgeschenken für sich, und auch das Einkommen der Soldaten wurde zur Sicherung ihrer Loyalität beträchtlich angehoben.[24] Nach der Darstellung der Historia Augusta, deren Glaubwürdigkeit allerdings umstritten ist, konnte Caracalla die in der Nähe von Rom stationierte Legio II Parthica, die stark mit Geta sympathisierte, nur mit einem reichlichen Geldgeschenk besänftigen.[25]

Innenpolitik

Terrorherrschaft

Sogleich nach der Ermordung Getas ließ Caracalla zahlreiche Männer und Frauen, die als Anhänger seines Bruders galten, töten; damals sollen etwa 20.000 Menschen aus diesem Grund ermordet worden sein.[26] Auch später noch wurden viele umgebracht, denen Caracalla unterstellte, Sympathien für den unterlegenen Rivalen gehegt zu haben oder ihm nachzutrauern. Zu den prominenten Opfern des Terrors gehörten der Kaisersohn Pertinax Caesar sowie zwei Nachkommen des allseits verehrten Kaisers Mark Aurel: seine Tochter Cornificia und ein Enkel. Der berühmte Jurist Papinian, der ein Freund und Vertrauter des Septimius Severus gewesen war und sich im Auftrag des verstorbenen Kaisers um einen Ausgleich zwischen den verfeindeten Brüdern bemüht hatte, wurde auf Befehl Caracallas ermordet, nachdem Prätorianer Vorwürfe gegen ihn erhoben hatten.[27] Es wurde üblich, persönliche Gegner mit erfundenen Behauptungen in anonymen Anzeigen aus dem Weg zu räumen. Die zahlreichen Soldaten und Prätorianer in Rom dienten Caracalla als Spitzel und Informanten.[28]

Eine aufschlussreiche Episode war Caracallas im Frühjahr 212 unternommener Versuch, den populären Senator und ehemaligen Stadtpräfekten Lucius Fabius Cilo umzubringen. Den Anlass dazu bot wohl, dass Cilo versucht hatte, zwischen Caracalla und Geta zu vermitteln. Caracalla erteilte Soldaten – offenbar handelte es sich um Prätorianer – den Befehl, gegen den Senator vorzugehen. Sie plünderten das Haus Cilos und führten ihn unter Misshandlungen zum Kaiserpalast. Darauf kam es zu einem Aufruhr; die Bevölkerung und in der Stadt stationierte Soldaten (urbaniciani), die früher unter Cilos Befehl gestanden hatten, griffen zugunsten des Verhafteten ein, um ihn zu befreien. Caracalla schätzte die Lage als so gefährlich ein, dass er aus dem Palast herbeieilte und vorgab, Cilo beschützen zu wollen. Er ließ die Prätorianer, die mit der Festnahme beauftragt gewesen waren, und ihren Befehlshaber hinrichten, angeblich zur Strafe für ihr Vorgehen gegen Cilo, in Wirklichkeit jedoch, weil sie bei der Durchführung des Befehls versagt hatten. Der Vorgang zeigt eine zumindest zeitweilige Schwäche des Kaisers. Er musste vor dem Widerstand von Teilen der Stadtbevölkerung und der städtischen Soldaten, auf deren Loyalität er angewiesen war, zurückweichen.[29]

Generell ging Caracalla gegen Individuen und Gruppen, die seinen Zorn oder Verdacht erregten, mit großer Härte vor. Ein Merkmal seines Terrors war, dass er nicht nur gezielt Verdächtige hinrichten ließ, sondern auch kollektive Strafmaßnahmen ergriff, denen neben Oppositionellen auch zahlreiche harmlose Personen und Unbeteiligte zum Opfer fielen. Aufsehen erregte das Massaker von Alexandria in Ägypten. Dort richtete Caracalla bei seinem Aufenthalt in der Stadt, der von Dezember 215 bis März/April 216 dauerte, ein großes Blutbad unter der Bevölkerung an. Als Anlass gibt Cassius Dio an, dass sich die Alexandriner über den Kaiser lustig gemacht hatten. Die Stadtbevölkerung war als spottlustig bekannt, doch hatte ihre Aufsässigkeit auch einen ernsten Hintergrund: In der Stadt war – vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen – eine kaiserfeindlichen Stimmung entstanden, die sich in einem Aufruhr entlud. Dem Gemetzel in Alexandria, das tagelang angedauert haben soll, fielen auch auswärtige Besucher zum Opfer, die sich zufällig in der Stadt aufhielten. Außerdem wurde die Stadt von Caracallas Soldaten geplündert. Wahrscheinlich stellen Cassius Dio und der ebenfalls zeitgenössische Geschichtsschreiber Herodian das Ausmaß des Massakers übertrieben dar, doch dürfte die Schilderung Cassius Dios in den Grundzügen stimmen.[30] Als der Kaiser in Rom von einer aufsässigen Menge im Circus verspottet zu werden glaubte, befahl er seinen Soldaten, die Unruhestifter zu töten, was mit einem wahllosen Massaker endete.[31]

Thermenbau und Ausdehnung des römischen Bürgerrechts

Hauptartikel: Caracalla-Thermen und Constitutio Antoniniana

Caracallas Name ist für die Nachwelt bis heute vor allem mit zwei spektakulären Maßnahmen verbunden: dem Bau der Caracalla-Thermen in Rom, einer Gesamtanlage von 337 mal 328 Metern, und der Constitutio Antoniniana von 212. Mit dem Thermenbau wollte sich der Kaiser bei der Stadtbevölkerung beliebt machen. Es war damals die größte derartige Anlage in Rom.[32] Die Constitutio Antoniniana war eine Verfügung, die allen freien Bewohnern des Reiches mit Ausnahme der dediticii das römische Bürgerrecht verlieh. Die Abgrenzung des mit dediticii gemeinten Personenkreises ist unklar. Mit diesem Ausdruck bezeichnete man ursprünglich Angehörige von Völkern oder Staaten, die sich den Römern bedingungslos unterworfen hatten, entweder im Krieg im Sinne einer Kapitulation oder im Frieden, um römischen Schutz zu erhalten. Juristisch bedeutete die Constitutio Antoniniana nicht, wie man früher glaubte, die Aufhebung örtlicher Rechtsgewohnheiten und ihre Ersetzung durch römisches Privatrecht; örtliches Recht wurde weiterhin angewendet, soweit es dem römischen nicht widersprach. Daraus ergaben sich im juristischen Alltag Rechtsunsicherheiten; eine umfassende, allgemeingültige Regelung wurde offenbar nicht angestrebt.[33]

Die Zwecke und die Tragweite der Constitutio Antoniniana sind bis heute nicht befriedigend geklärt. Flankierende Maßnahmen zur Integration der Neubürger scheint Caracalla nicht getroffen zu haben, ein umfassendes, langfristiges Gesamtkonzept war mit der Bürgerrechtsverleihung anscheinend nicht verbunden.[34] Caracalla gibt an, er habe sich zu dem Schritt entschlossen, weil er den Göttern für seine Rettung aus einer Gefahr danken wollte. Vermutlich meinte er damit einen angeblichen Mordanschlag Getas, doch sind auch andere Deutungen möglich.[35] Cassius Dio gibt die Meinung der oppositionellen senatorischen Kreise wieder, der zufolge die Ausdehnung des Bürgerrechts vor allem den Zweck hatte, die Steuereinnahmen zu erhöhen; die von dem Erlass Betroffenen wurden Steuern unterworfen, die nur von römischen Bürgern zu entrichten waren. Solche Steuern waren eine Abgabe auf die Freilassung von Sklaven und die Erbschaftssteuer, die Caracalla damals von 5 auf 10 Prozent verdoppelte. Die Erhöhung der Steuereinnahmen war aber nur eines der Motive Caracallas. Außerdem wollte er die Neubürger wohl als ihm persönlich ergebene Anhängerschaft gewinnen, um auf diese Art die Feindschaft der traditionellen Elite, bei der er wegen seiner Terrorherrschaft verhasst war, zu kompensieren und so seine Machtbasis zu stärken. Zahlreiche Neubürger nahmen den Namen des Kaisers (Aurelius) an, der dadurch außerordentlich häufig wurde.

Verwaltung, Finanzen, Wirtschaft und Militär

Da Caracalla sich durch seinen Terror unzählige Feinde schuf, besonders in der Oberschicht, war er zur Erhaltung seiner Macht ganz auf das Heer angewiesen und für seine persönliche Sicherheit auf seine skythischen und germanischen Leibwächter. Die Unterstützung der Soldaten gewann er, indem er ihren Sold stark erhöhte und sie mit häufigen üppigen Sonderzuwendungen (Donativen) beschenkte. Das Ausmaß der Solderhöhung betrug 50 Prozent,[36] wobei der schon von Septimius Severus deutlich erhöhte Sold die Berechnungsgrundlage bildete. Cassius Dio schätzt den dafür erforderlichen jährlichen Mehraufwand auf 280 Millionen Sesterzen (70 Millionen Denare).[37] Diese Steigerung der militärischen Personalkosten war jedoch finanzpolitisch verhängnisvoll. Die Bevorzugung des Militärs war nur auf Kosten des wirtschaftlich produktiven Teils der Bevölkerung und der Geldwertstabilität möglich und erzeugte bei den so verwöhnten Soldaten maßlose Erwartungen. Spätere Herrscher konnten diese Entwicklung nicht mehr umkehren, ohne ihren sofortigen Sturz zu riskieren. Somit stellte Caracalla die Weichen für das künftige Soldatenkaisertum.[38] Seine Politik trug dazu bei, dass später die mit dem modernen Schlagwort „Reichskrise des 3. Jahrhunderts“ bezeichneten Entwicklungen eintraten. Unter ihm verstärkten sich problematische Faktoren, welche die Wirtschaft im weiteren Verlauf des 3. Jahrhunderts stark belasteten. Allerdings bestanden schon vor seinem Regierungsantritt gravierende strukturelle Probleme.

Caracalla teilte große Provinzen auf, wohl um eine gefährliche Machtzusammenballung in der Hand der Provinzstatthalter zu verhindern. Kein Statthalter sollte mehr als zwei Legionen unter seinem Kommando haben. Britannien teilte er in die zwei Provinzen Britannia superior und Britannia inferior.[39] In Hispanien trennte er von der großen Provinz Hispania citerior oder Tarraconensis eine neue Provinz ab, die er Hispania nova citerior Antoniniana nannte. Sie befand sich im Nordwesten der Halbinsel nördlich des Duero. Ihre Existenz ist nur aus Inschriften erschlossen und ihre Ausdehnung ist nicht genau bekannt, denn sie wurde bereits spätestens in den dreißiger Jahren des 3. Jahrhunderts wieder mit der Tarraconensis vereinigt.

Sesterz Caracallas

Caracalla führte 214/215 eine Münzreform durch, die der Finanzierung des geplanten Partherkriegs dienen sollte. Er schuf eine neue Silbermünze, die später nach seinem offiziellen Namen Antoninus als Antoninian bezeichnet wurde. Der Antoninian, der im 3. Jahrhundert zur geläufigsten römischen Münze wurde, entsprach zwei Denaren, sein Gewicht jedoch nur etwa dem von anderthalb Denaren. Faktisch handelte es sich also um eine Geldverschlechterung. Diese führte zur Hortung des alten Geldes, die aus zahlreichen Schatzfunden ersichtlich ist. Außerdem wurde das Gewicht der Goldmünze Aureus um rund 9 Prozent reduziert (von 7,20 auf 6,55 g). Schon 212 hatte Caracalla den Sibergehalt des Denars um rund 8 Prozent verringert (von 1,85 g auf 1,70 g), offenbar wegen der Kosten der Solderhöhungen nach dem Mord an Geta. Noch drastischer war die Geldverschlechterung im Osten des Reichs, wo die syrische Drachme und die Tetradrachme die Hälfte ihres Silbergehalts einbüßten (Verringerung von 2 g Silber im Jahr 213 auf 0,94 g im Jahr 217). Dies bewirkte einen massiven Verlust an Vertrauen in den Geldwert.[40]

Trotz der Härte, mit der Caracalla gegen jede Kritik vorging, soll die Steuerlast zu einer deutlichen Unmutsbekundung der Menge bei einem Pferderennen geführt haben.[41]

Religion

Caracallas Verhältnis zur Religion war, wie Cassius Dio berichtet, vor allem von seinem Bedürfnis bestimmt, von den Göttern Heilung von seinen Krankheiten zu erlangen. Zu diesem Zweck soll er allen bedeutenderen Gottheiten Opfer und Weihegaben dargebracht und eifrig gebetet haben. Zu den Göttern, von denen er Hilfe erhoffte, gehörten der griechische Heilungsgott Asklepios, der ägyptische Sarapis und Apollon, der mit dem keltischen Heilungsgott Grannus identifiziert und als Apollo Grannus verehrt wurde.[42] Wahrscheinlich besuchte der Kaiser den Apollo-Grannus-Tempel in Faimingen, das damals Phoebiana hieß und zur Provinz Raetia gehörte.[43] Seine besondere Verehrung galt Sarapis, in dessen Tempelbezirk er während seines Aufenthalts in Alexandria wohnte.[44] Auf dem römischen Hügel Quirinal ließ er einen Sarapis-Tempel errichten, der inschriftlich bezeugt ist, aber bisher nicht lokalisiert werden konnte.[45]

Außenpolitik

Germanenfeldzug

Im Sommer 213 unternahm Caracalla, der in diesem Jahr zum vierten und letzten Mal Konsul war, einen kurzen Feldzug gegen Germanen.[46] Bei diesen handelte es sich laut byzantinischen Auszügen aus einem verlorenen Teil von Cassius Dios Geschichtswerk um Alamannen. Dies ist die erste namentliche Bezeugung der Alamannen. Ihre Glaubwürdigkeit, die in der älteren Forschung allgemein akzeptiert war, ist ab 1984 wiederholt bestritten worden, hat aber auch weiterhin Befürworter und wird ausführlich gegen die Kritik verteidigt.[47] Zunächst errang der Kaiser einen Sieg am Main, worauf er den Siegernamen Germanicus maximus annahm. Die anschließenden Kämpfe scheinen aber für ihn weniger günstig verlaufen zu sein, denn er sah sich zu Zahlungen an die Germanen gezwungen, um Frieden zu erkaufen. Gesamthaft war sein Vorgehen offenbar erfolgreich, denn die Lage an der Nordgrenze blieb für zwei Jahrzehnte stabil.[48]

Expansionspolitik im Osten

Nach der Befriedung der Nordgrenze begab sich Caracalla in den Osten des Reichs, von wo er nicht mehr zurückkehren sollte. Zunächst scheint er im Gebiet der Stadt Tyras (heute Bilhorod-Dnistrowskyj in der Südukraine) die Karpen besiegt zu haben,[49] dann zog er nach Kleinasien. Den Winter 214/215 verbrachte er in Nikomedeia, von dort brach er im Frühjahr 215 nach Antiocheia auf.[50] Hatte er sich schon früher auch in Äußerlichkeiten in die Nachfolge Alexanders des Großen gestellt, so erreichte die Alexander-Nachahmung in seinen letzten Lebensjahren ihren Höhepunkt.[51] Er soll eine Streitmacht von 16.000 Mann als „makedonische Phalanx“ mit makedonischer Kleidung und Bewaffnung aufgestellt haben.[52] In einem Brief an den Senat behauptete er, eine Reinkarnation des Makedonenkönigs zu sein.[53] Damit deutete er das Programm einer Wiederherstellung von Alexanders Weltreich, zumindest einer ruhmreichen Expansion nach Osten an. Schon vor seinem Aufbruch in den Osten hatte er König Abgar IX. von Osrhoene nach Rom gelockt und dort gefangengesetzt, worauf er das Königreich annektierte. Auch den arsakidischen König von Armenien und dessen Familie hatte er mit List in seine Gewalt gebracht, doch im Reich dieses Herrschers stießen die Römer auf hartnäckigen Widerstand. Ein römischer Vorstoß nach Armenien, dessen Durchführung der Kaiser seinem Vertrauten Theokritos übertragen hatte, scheiterte.[54]

Münze Artabanos‘ IV.

Die Anknüpfung an das Vorbild Alexanders des Großen und an dessen Weltherrschaftsidee bedeutete Konfrontation mit dem Partherreich, das Caracalla ins Römische Reich eingliedern wollte. Angeblich verfolgte er sein Ziel zunächst auf friedlichem Weg oder versuchte zumindest diesen Anschein zu erwecken: Er soll dem Partherkönig Artabanos IV. ein Heiratsprojekt vorgeschlagen haben. Artabanos sollte ihm seine Tochter zur Frau geben und damit den Weg zu einer künftigen Vereinigung der beiden Reiche ebnen. Dieses Projekt fällt ganz aus dem Rahmen der traditionellen römischen Außenpolitik; römische Kaiser gingen nie Heiratsverbindungen mit auswärtigen Herrscherhäusern ein. Die Historizität der von Cassius Dio und Herodian mitgeteilten, bei Herodian mit phantastischen Elementen ausgeschmückten Episode ist in der Forschung umstritten; überwiegend wird angenommen, dass die Überlieferung zumindest einen historischen Kern hat.[55] Auch dabei spielte das Vorbild Alexanders eine Rolle; der Makedone hatte Stateira, eine Tochter des Perserkönigs Dareios III. geheiratet. Erst als Artabanos den phantastisch anmutenden Vorschlag ablehnte, begann Caracalla im Frühjahr 216 den Feldzug gegen die Parther.

Begünstigt wurden die Römer durch den Umstand, dass bei den Parthern damals ein Bürgerkrieg zwischen den Brüdern Artabanos IV. und Vologaeses VI. herrschte, in welchem allerdings Caracallas Gegner Artabanos deutlich die Oberhand hatte. Die römischen Truppen rückten von Antiocheia über Edessa kampflos bis nach Arbela (heute Arbil im Nordirak) vor. Dort plünderten sie die Gräber der Könige von Adiabene (nicht der Könige des Partherreichs). Danach zog sich Caracalla nach Edessa zurück.[56] Dort verbrachte er den Winter, während Artabanos den parthischen Gegenangriff vorbereitete, der dann aber erst Caracallas Nachfolger Macrinus mit voller Wucht traf. Cassius Dio behauptet, die Disziplin des römischen Heeres sei wegen Caracallas Verwöhnung der Soldaten mangelhaft gewesen.[57]

Tod und Nachfolge

Bevor es zu Kämpfen mit den Parthern kam, fand Caracallas Herrschaft ein gewaltsames Ende. Die detaillierte Schilderung der Vorgeschichte und der Umstände seines Todes bei Cassius Dio gilt in der Forschung als glaubwürdig, sie wird im Wesentlichen in modernen Darstellungen übernommen.[58]

Denar des Macrinus

Zu den Personen nichtsenatorischer Herkunft, die Caracalla in Schlüsselstellungen gebracht hatte, gehörte der militärisch unerfahrene Prätorianerpräfekt Macrinus. Wie Cassius Dio mitteilt, befand sich Macrinus im Frühjahr 217 in einer akuten Notlage: Prophezeiungen hatten ihm die Kaiserwürde verheißen, und dies war Caracalla zu Ohren gekommen; außerdem war ein schriftlicher Bericht an den Kaiser unterwegs, und Macrinus war vor der ihm infolgedessen drohenden Lebensgefahr gewarnt worden.[59] Das war wohl eine Intrige, doch hatte der Präfekt jedenfalls Anlass, darin eine tödliche Bedrohung zu sehen. Daher organisierte er mit einigen Unzufriedenen die Ermordung Caracallas.[60] An dem Anschlag waren drei Männer beteiligt: der evocatus Julius Martialis, der den Kaiser wegen einer persönlichen Zurücksetzung hasste, und zwei Prätorianertribunen. Martialis führte das Attentat am 8. April 217 aus, als der Kaiser sich auf dem Weg von Edessa nach Carrhae befand, wo er ein berühmtes Heiligtum des Mondgottes Sin aufsuchen wollte.[61] Als Caracalla unterwegs vom Pferd stieg, um seine Notdurft zu verrichten, näherte sich ihm Martialis, scheinbar um ihm etwas zu sagen, und versetzte ihm einen Dolchstoß. Ein skythischer Leibwächter Caracallas tötete darauf den flüchtenden Attentäter mit seiner Lanze. Die beiden Prätorianertribunen eilten zum Kaiser, als wollten sie ihm helfen, und vollendeten die Mordtat.[62] Mit Caracalla starb die männliche Nachkommenschaft des Dynastiegründers Septimius Severus aus.

Erst nach tagelangem Zögern ließen sich die Soldaten überreden, Macrinus am 11. April zum Kaiser auszurufen. Caracalla wurde in Rom im Mausoleum Hadriani beigesetzt.

Aussehen und Ikonographie

Erster Thronfolgertypus

Nach Herodians Angaben war Caracalla von kleiner Statur, aber robust. Er bevorzugte germanische Kleidung und trug eine blonde, nach germanischer Art frisierte Perücke.[63] Cassius Dio erwähnt, dass der Kaiser gern einen wilden Gesichtsausdruck annahm.[64]

Eine Vorstellung von seinem Aussehen und vor allem von dem Eindruck, den er erwecken wollte, vermitteln insbesondere die zahlreichen erhaltenen Plastiken. Auch die Münzbildnisse sind aussagekräftig. Darstellungen des jungen Caracalla sind kaum von denen Getas zu unterscheiden. Zahlreiche Porträts aus der Zeit seiner Alleinherrschaft zeigen den Kaiser mit zusammengezogenen Stirnmuskeln und Augenbrauen; mit der grimmigen Miene sollte seine Willensstärke und Gewaltbereitschaft demonstriert werden. Offenbar zielte diese Selbstdarstellung auf Einschüchterung.[65] Zugleich sollten damit die soldatischen Qualitäten des Kaisers betont werden.[66]

Heinz Bernhard Wiggers hat bei der Rundplastik fünf Haupttypen unterschieden, die bei ihm meist nach den Fundorten der typbestimmenden Leitstücke benannt sind. Die spätere Forschung ist ihm hinsichtlich dieser Gruppierung gefolgt, benennt und datiert aber zum Teil anders. Die Typen sind:[67]

  • „Typus Argentarierbogen“, auch „erster Thronfolgertypus“ genannt (Zeitraum ca. 197–204): Caracalla wird teils als Kind, teils schon als Jugendlicher dargestellt. Er hat fülliges, lockiges Haar und noch keinen Bartwuchs. Der Typus ist sehr häufig. Die Stirnfrisur erinnert mitunter an Knabenbildnisse Marc Aurels, dessen fiktiver Adoptivenkel Caracalla war.

Datei:Caracalla.jpg

Erster Alleinherrschertypus
  • „Typus Gabii“, auch „zweiter Thronfolgertypus“ oder „Consulatstypus“ genannt (Zeitraum ca. 205–211): Caracalla wird als junger Mann mit unterschiedlich fortgeschrittenem Bartwuchs dargestellt. Neu sind ein dreieckförmiger Stirnwulst mit Spitze nach unten und zwei waagrechte Stirnfalten.
  • „Typus Vestalinnenhaus“: Dieser Typus war anscheinend wenig verbreitet. Der Stirnwulst ist flach, die horizontalen Stirnfalten sind lang; hinzu kommen zwei von der Nasenwurzel ausgehende Steilfalten. Wiggers datiert den Typus um 210, Klaus Fittschen setzt seine Entstehung in die Zeit der Alleinherrschaft Caracallas.[68]
  • „Erster Alleinherrschertypus“ (Fittschen) oder „Typus Alleinherrscher“ (Wiggers): Dieser wohl im Jahr 212 geschaffene Typus ist sehr häufig, er ist der charakteristische Bildnistyp der Alleinherrscherzeit und wurde in der Frühen Neuzeit oft nachgeahmt. Das Haar ist in Lockenreihen angeordnet. Der Gesichtsausdruck ist angespannt. Zu den horizontalen und vertikalen Stirnfalten kommen zwei Diagonalfalten hinzu, die den Stirnwulst seitlich abgrenzen. Gerunzelte, zusammengezogene Brauen verstärken den finsteren Eindruck, den die faltige Stirn erzeugt. Neu ist eine Quetschfalte bei der Nasenwurzel. Eine Variante mit gebogener Nase kommt nur bei Funden aus dem Osten vor; vermutlich handelt es sich dabei um einen realistischen Aspekt, den die stadtrömischen Bildhauer aus ästhetischem Grund wegließen.[69]

Zweiter Alleinherrschertypus („Typus Tivoli“)

  • „Zweiter Alleinherrschertypus“ (Fittschen) oder „Typus Tivoli“ (Wiggers): Die Gesichtszüge sind deutlich entspannter als beim ersten Alleinherrschertypus. Wiggers datierte diesen Typus um 211–214, Fittschen – dessen Auffassung sich durchsetzt – hat seine Entstehung ins Jahr 215 gesetzt.[70]

Rezeption

Zeitgenössische Urteile und Darstellung in den Hauptquellen

Caracallas Ansehen bei den Soldaten beruhte nicht nur auf seiner finanziellen Großzügigkeit, sondern auch auf seiner Nähe zu ihrer Lebensweise: Auf den Feldzügen nahm er freiwillig die gleichen Strapazen auf sich wie ein einfacher Soldat. Seine körperliche Ausdauer verschaffte ihm Respekt.[71] Noch lange nach seinem Tod hielt seine Beliebtheit im Heer an. Vielleicht schon während der kurzen Herrschaft des Macrinus setzten die Soldaten durch, dass der Senat ihn widerwillig im Rahmen des Kaiserkults zum Gott erhob. Spätestens ab dem ersten Regierungsjahr von Macrinus’ Nachfolger Elagabal wurde er als divus Magnus Antoninus verehrt.[72] Elagabal verdankte seinen Aufstieg zur Macht dem Umstand, dass er als unehelicher Sohn Caracallas ausgegeben wurde, was ihm die Sympathie der Soldaten verschaffte; in Wirklichkeit war er nur sehr entfernt mit dem ermordeten Kaiser verwandt. Auch Elagabals Nachfolger Severus Alexander trat als unehelicher Sohn Caracallas auf, um sich bei den Soldaten beliebt zu machen.

Die Nachrichten über Caracallas Ansehen in der hauptstädtischen Bevölkerung sind widersprüchlich. Im Senat war er verhasst, daher wurde sein Tod dort bejubelt. Da er sich auf die senatorischen Familien nicht verlassen konnte, stützte er sich auf Aufsteiger ritterlicher Herkunft. Deren Bevorzugung steigerte die Erbitterung der zurückgesetzten Senatoren.[73]

Die extrem caracallafeindliche Stimmung in der senatorischen Führungsschicht spiegelt sich in den Hauptquellen, den Darstellungen der zeitgenössischen Geschichtsschreiber Cassius Dio und Herodian, sowie in der weit später entstandenen und als Quelle weniger wertvollen Historia Augusta. Cassius Dio hielt Caracalla für geistesgestört.[74] Seine Römische Geschichte, die aus der Perspektive der senatorischen Opposition geschrieben ist, gilt trotz seiner sehr parteiischen Haltung als die beste Quelle und als relativ zuverlässig. Herodians Darstellung ist ungenauer und fehlerhafter.[75] Die Historia Augusta hängt teilweise von den beiden älteren Werken ab, doch muss ihr Verfasser auch Zugang zu Material aus einer weiteren, heute verlorenen zeitgenössischen Quelle gehabt haben.[76]

Außerhalb des Kreises seiner Anhänger wurde der Kaiser mit Spitznamen benannt. Wohl erst in der Zeit seiner Alleinherrschaft nannte man ihn nach seinem Kapuzenmantel Caracalla. Dabei handelte es sich um eine vom Kaiser persönlich entworfene modifizierte Luxusausführung eines keltischen Kleidungsstücks.[77] Ein weiterer Spitzname, den Cassius Dio überliefert, war Tarautas; unter diesem Namen war ein kleinwüchsiger, hässlicher und brutaler Gladiator bekannt, der offenbar ähnlich wie der Kaiser aussah, zumindest nach der Ansicht von dessen Gegnern.[78]

Antike Caracalla-Legenden

Schon zu Caracallas Lebzeiten kursierten anscheinend Gerüchte über eine sexuelle Beziehung zwischen ihm und seiner Mutter Julia Domna nach dem Tod seines Vaters. Dies war eine Verleumdung, die sich im Lauf der Zeit zu einer Legende auswuchs. Der Chronograph von 354 teilt sie wie eine Tatsache mit.[79] In Wirklichkeit war das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn nach dem Mord an Geta schlecht, obwohl Julia Domna offiziell geehrt wurde. Inzest war ein Topos der Tyrannendarstellung und wurde schon Nero unterstellt.[80]

Quellen des 4. Jahrhunderts und der Folgezeit, darunter die Historia Augusta, Aurelius Victor, Eutropius und die Epitome de Caesaribus, machen aus Julia Domna die Stiefmutter Caracallas und behaupten, er habe sie geheiratet. Diese phantastische Darstellung findet sich auch bei christlichen Autoren der patristischen Zeit (Orosius, Hieronymus) und prägte im Mittelalter das Bild Caracallas als eines hemmungslosen Unholds. Der tatsächlich verübte Brudermord an Geta hingegen geriet in Vergessenheit.[81]

Mittelalter

Eine mittelalterliche Caracalla-Legende überliefert Geoffrey von Monmouth, der im 12. Jahrhundert das Geschichtswerk De gestis Britonum verfasste, das später unter dem Titel Historia regum Britanniae bekannt wurde und eine sehr starke Nachwirkung erzielte. Nach Geoffreys Darstellung waren Geta und Caracalla, den er Bassianus nennt, nur Halbbrüder; Geta stammte von einer römischen Mutter, Caracalla von einer britischen. Caracalla wurde von den Briten, da er mütterlicherseits zu ihnen gehörte, zum König gewählt, Geta von den Römern. Es kam zur Schlacht, in der Caracalla siegte und Geta fiel. Später wurde Caracalla von Carausius besiegt und getötet.[82] In dieser Darstellung vermischte Geoffrey verschiedene Epochen, denn in Wirklichkeit war Carausius ein römischer Befehlshaber, der sich 286 zum Kaiser ausrufen ließ und ein kurzlebiges Sonderreich in Britannien und nördlichen Küstengebieten Galliens begründete.

Frühe Neuzeit

Septimius Severus klagt Caracalla des Attentatsversuchs an. Ölgemälde von Jean-Baptiste Greuze im Louvre, 1762

Um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert verfasste ein unbekannter englischer Dichter das lateinische Universitätsdrama Antoninus Bassianus Caracalla in jambischen Senaren.[83] Er thematisierte neben dem Brudermord insbesondere die angebliche Ehe Caracallas mit Julia Domna, wobei er Julia nicht als Stiefmutter, sondern als leibliche Mutter Caracallas darstellte. Er schilderte also die Verbindung als wirklichen Inzest.

Im Jahr 1762 fertigte der französische Maler Jean-Baptiste Greuze ein Ölgemälde an, das Septimius Severus und Caracalla in Britannien zeigt. Der Kaiser wirft seinem Sohn vor, er habe versucht ihn zu ermorden. Die Szene fußt auf einer von Cassius Dio mitgeteilten legendenhaften Überlieferung, der zufolge Caracalla nach einem Attentatsversuch auf seinen Vater zur Rede gestellt, aber nicht bestraft wurde.[84]

Moderne Forschung

Die Einschätzungen der modernen Historiker orientieren sich generell – trotz Kritik an Einzelheiten der Überlieferung – weitgehend am Caracallabild der antiken Geschichtsschreibung. In der älteren Forschung pflegte man in Caracalla einen typischen Repräsentanten einer Verfallszeit zu sehen. Cassius Dios nicht überprüfbare Behauptung, der Kaiser sei geisteskrank gewesen, wirkt bis in die Gegenwart nach. Das früher populäre Schlagwort Cäsarenwahnsinn wird aber in der Fachliteratur vermieden, da es unwissenschaftlich ist und zur Erhellung der historischen Realität nichts beiträgt.

Zwei führende Kunsthistoriker des 19. Jahrhunderts, Anton Springer und Jacob Burckhardt, meinten aus Caracallas Porträt einen zutiefst verbrecherischen Charakter herauslesen zu können.[85]

Für Theodor Mommsen war Caracalla „ein geringfügiger, nichtswürdiger Mensch, der sich ebenso lächerlich wie verächtlich machte“; zum Partherkrieg habe ihn seine „wahnsinnige Ruhmsucht“ veranlasst und dabei sei er „glücklicherweise“ ums Leben gekommen.[86] Ernst Kornemann schrieb, er sei „voll Größenwahnsinn“ gewesen; im Heer und im Staate habe überall „der gemeine, unwissende Haufe“ geherrscht.[87] Alfred Heuß meinte, Caracalla sei zu „sachlichen Leistungen“ unfähig gewesen, „ein roher, hemmungsloser und moralisch minderwertiger Mensch, der schon vor der Thronbesteigung stark verbrecherische Neigungen verriet“; zum Partherkrieg sei er von seiner „kindischen Phantasie“ veranlasst worden.[88] Ähnlich ist das Urteil von Karl Christ ausgefallen: Caracalla habe seine „Grausamkeit, Hinterlist und innere Labilität“ nicht verborgen, habe an einer Nervenkrankheit gelitten und „in jeder Beziehung extrem und überreizt“ reagiert. Er sei „brutal, von unheimlicher Willenskraft“ gewesen; in den überlieferten Anekdoten habe sich „wohl die historische Wahrheit verdichtet“. Mit seiner Selbstdarstellung habe er vor allem Furcht erregen wollen. Die Constitutio Antoniniana erscheine zwar aus dem Rückblick als bedeutende Maßnahme, habe aber politisch an den bereits vorhandenen Strukturen kaum etwas geändert.[89] Géza Alföldy war der Ansicht, das Urteil Cassius Dios sei „im Grunde genommen richtig“, eine „Ehrenrettung“ Caracallas entbehre jeder Grundlage.[90]

In der neueren Forschung wird allerdings auch betont, dass die zeitgenössischen erzählenden Quellen von leidenschaftlichen Gegnern des Kaisers stammen und die Haltung der oppositionellen Senatskreise spiegeln und dass bei den Schilderungen seiner Missetaten, seiner abstoßenden Charakterzüge und seiner Unbeliebtheit mit Übertreibungen zu rechnen ist. Es wird darauf hingewiesen, dass Caracalla bei großen Teilen der Reichsbevölkerung möglicherweise weniger verhasst war als bei der hauptstädtischen Oberschicht. Unstrittig ist, dass er bei den Soldaten sogar lange über seinen Tod hinaus in höchstem Ansehen stand.[91] Anthony R. Birley meint, man müsse zwar die Voreingenommenheit Cassius Dios in Rechnung stellen, doch lasse sich wenig zur Entlastung Caracallas vorbringen.[92]

Quellenausgaben und Kommentare

  • Herbert Baldwin Foster, Earnest Cary (Hrsg.): Dio’s Roman History, Band 9, Harvard University Press, Cambridge (Massachusetts) 1961 (Nachdruck der kritischen Ausgabe von 1927)
  • Peter Alois Kuhlmann (Hrsg.): Die Gießener literarischen Papyri und die Caracalla-Erlasse. Edition, Übersetzung und Kommentar (= Berichte und Arbeiten aus der Universitätsbibliothek und dem Universitätsarchiv Gießen, Bd. 46). Universitätsbibliothek Gießen, Gießen 1994, S. 215–255 (enthält: Constitutio Antoniniana; Der Amnestie-Erlass; Die Vertreibung der Ägypter aus Alexandria. Digitalisat)
  • Carlo M. Lucarini (Hrsg.): Herodianus: Regnum post Marcum. Saur, München 2005, ISBN 3-598-71282-0 (kritische Ausgabe)
  • Michael Louis Meckler (Hrsg.): Caracalla and his late-antique biographer: a historical commentary on the Vita Caracalli in the Historia Augusta. Dissertation, University of Michigan, Ann Arbor 1994 (Einleitung, kritische Ausgabe, englische Übersetzung und Kommentar)

Literatur

Allgemeines

Ikonographie

  • Klaus Fittschen, Paul Zanker: Katalog der römischen Porträts in den Capitolinischen Museen und den anderen kommunalen Sammlungen der Stadt Rom. 2., überarbeitete Auflage, Philipp von Zabern, Mainz 1994, ISBN 3-8053-0596-6, Textband S. 98–100, 102–112, Tafelband Tafeln 105–116 (Nr. 86, 88–94)
  • Heinz Bernhard Wiggers, Max Wegner: Caracalla, Geta, Plautilla. Macrinus bis Balbinus (= Max Wegner (Hrsg.): Das römische Herrscherbild, Abteilung 3 Band 1). Gebrüder Mann, Berlin 1971, ISBN 3-7861-2147-8, S. 9–92

Hilfsmittel

  • Attilio Mastino: Le titolature di Caracalla e Geta attraverso le iscrizioni (indici). Editrice Clueb, Bologna 1981 (Zusammenstellung der inschriftlichen Belege für die Titulatur)

Weblinks

Commons: Caracalla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Es ist vermutet worden, dass versehentlich nicht Getas, sondern Caracallas Porträt gelöscht wurde; siehe Heinz Bernhard Wiggers: Caracalla, Geta, Plautilla. In: Max Wegner (Hrsg.): Das römische Herrscherbild, Abteilung 3 Band 1, Berlin 1971, S. 9–129, hier: 48. Diese Hypothese hat sich aber nicht durchgesetzt; siehe Florian Krüpe: Die Damnatio memoriae, Gutenberg 2011, S. 237.
  2. Zum Datum siehe Géza Alföldy: Nox dea fit lux! Caracallas Geburtstag. In: Giorgio Bonamente, Marc Mayer (Hrsg.): Historiae Augustae Colloquium Barcinonense, Bari 1996, S. 9–36, hier: 31–36.
  3. Cassius Dio 79 (78),9,3. Bei der Angabe mancher Bücher von Cassius Dios Werk sind unterschiedliche Zählungen gebräuchlich; eine abweichende Buchzählung ist hier und im Folgenden jeweils in Klammern angegeben.
  4. Michael Louis Meckler: Caracalla and his late-antique biographer, Ann Arbor 1994, S. 4f.
  5. Historia Augusta, Caracalla 1,3–2,1.
  6. Helga Gesche: Die Divinisierung der römischen Kaiser in ihrer Funktion als Herrschaftslegitimation. In: Chiron 8, 1978, S. 377–390, hier: 387f.; Michael Louis Meckler: Caracalla and his late-antique biographer, Ann Arbor 1994, S. 9 und Anm. 34; Anne Daguet-Gagey: Septime Sévère, Paris 2000, S. 255f.; Drora Baharal: Victory of Propaganda, Oxford 1996, S. 20–42.
  7. Florian Krüpe: Die Damnatio memoriae, Gutenberg 2011, S. 182f. und Anm. 48.
  8. Für Frühjahr 196 plädiert Matthäus Heil: Clodius Albinus und der Bürgerkrieg von 197. In: Hans-Ulrich Wiemer (Hrsg.): Staatlichkeit und politisches Handeln in der römischen Kaiserzeit, Berlin 2006, S. 55–85, hier: 75–78. Anderer Meinung ist u. a. Helmut Halfmann: Itinera principum, Stuttgart 1986, S. 220; er tritt für Mitte 195 ein.
  9. Michael Meckler: Caracalla the Intellectual. In: Enrico dal Covolo, Giancarlo Rinaldi (Hrsg.): Gli imperatori Severi, Rom 1999, S. 39–46, hier: 44f.
  10. Für eine Datierung vor Ende 197 plädiert Zeev Rubin: Dio, Herodian, and Severus’ Second Parthian War. In: Chiron 5, 1975, S. 419–441, hier: 432–435. Michael Louis Meckler: Caracalla and his late-antique biographer, Ann Arbor 1994, S. 10 tritt für die Datierung 28. Januar 198 ein.
  11. Cassius Dio 77 (76),3–6. Siehe zu diesen Vorgängen Anthony R. Birley: The African Emperor. Septimius Severus, 2., erweiterte Auflage, London 1988, S. 137, 143f., 161f.; Barbara Levick: Julia Domna, London 2007, S. 74–81.
  12. Abbildung bei Barbara Levick: Julia Domna, London 2007, S. 81. Vgl. Daría Saavedra-Guerrero: El poder, el miedo y la ficción en la relación del emperador Caracalla y su madre Julia Domna. In: Latomus 66, 2007, S. 120–131, hier: 122f.
  13. Florian Krüpe: Die Damnatio memoriae, Gutenberg 2011, S. 183 und Anm. 52.
  14. Zur Datierung siehe Anthony R. Birley: The African Emperor. Septimius Severus, 2., erweiterte Auflage, London 1988, S. 274; Michael Louis Meckler: Caracalla and his late-antique biographer, Ann Arbor 1994, S. 13 Anm. 58.
  15. Herodian 3,15,2 mit Angabe der Einzelheiten; Cassius Dio beschränkt sich auf einen allgemeinen Hinweis, siehe Cassius Dio 77 (76),15,2 (vgl. 77 (76),14,1–7).
  16. Herodian 4,3,5–9.
  17. Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 62f.; Géza Alföldy: Die Krise des Römischen Reiches, Stuttgart 1989, S. 190–192.
  18. Die Haltung der Truppen untersuchen Jenö Fitz: Das Verhalten der Armee in der Kontroverse zwischen Caracalla und Geta. In: Dorothea Haupt, Heinz Günter Horn (Hrsg.): Studien zu den Militärgrenzen Roms, Bd. 2, Bonn 1977, S. 545–552 und Markus Handy: Die Severer und das Heer, Berlin 2009, S. 105–110.
  19. Zur Datierung siehe Anthony R. Birley: The African Emperor. Septimius Severus, 2., erweiterte Auflage, London 1988, S. 189; Helmut Halfmann: Zwei syrische Verwandte des severischen Kaiserhauses. In: Chiron 12, 1982, S. 217–235, hier: 229f.; Michael Louis Meckler: Caracalla and his late-antique biographer, Ann Arbor 1994, S. 15, 109–112; Florian Krüpe: Die Damnatio memoriae, Gutenberg 2011, S. 13, 195–197; Géza Alföldy: Die Krise des Römischen Reiches, Stuttgart 1989, S. 179.
  20. Cassius Dio 78 (77),2,2–4. Vgl. Géza Alföldy: Die Krise des Römischen Reiches, Stuttgart 1989, S. 193–195.
  21. Cassius Dio 78 (77),23,3.
  22. Zur außergewöhnlichen Konsequenz bei der Durchführung siehe Florian Krüpe: Die Damnatio memoriae. Über die Vernichtung von Erinnerung. Eine Fallstudie zu Publius Septimius Geta (198–211 n. Chr.), Gutenberg 2011, S. 14–16.
  23. Siehe zu der Rede Florian Krüpe: Die Damnatio memoriae, Gutenberg 2011, S. 188f.; zur Amnestie David S. Potter: The Roman Empire at Bay, AD 180–395, London 2004, S. 136.
  24. Cassius Dio 78 (77),3,1–2; Herodian 4,4,7–5,1. Vgl. Michael Alexander Speidel: Heer und Herrschaft im Römischen Reich der hohen Kaiserzeit, Stuttgart 2009, S. 415; Robert Develin: The Army Pay Rises under Severus and Caracalla and the Question of Annona militaris. In: Latomus 30, 1971, S. 687–695, hier: S. 687 und Anm. 6.
  25. Historia Augusta, Caracalla 2,6–8 und Geta 6,1–2. Vgl. Michael Louis Meckler: Caracalla and his late-antique biographer, Ann Arbor 1994, S. 115–117; Markus Handy: Die Severer und das Heer, Berlin 2009, S. 105f. und Anm. 38; Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 32, 64; David S. Potter: The Roman Empire at Bay, AD 180–395, London 2004, S. 135f.
  26. Cassius Dio 78 (77),4,1.
  27. Cassius Dio 78 (77),4,1–2.
  28. Cassius Dio 78 (77),17,1–2; vgl. Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 65f.
  29. Karlheinz Dietz: Caracalla, Fabius Cilo und die Urbaniciani. In: Chiron 13, 1983, S. 381–404, hier: 397–403; Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 32f., 64f., 113f.; Frank Kolb: Literarische Beziehungen zwischen Cassius Dio, Herodian und der Historia Augusta, Bonn 1972, S. 94–97.
  30. Cassius Dio 78 (77),22–23. Siehe dazu Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 34f., 159–166; Drora Baharal: Caracalla and Alexander the Great: a Reappraisal. In: Carl Deroux (Hrsg.): Studies in Latin Literature and Roman History, Bd. 7, Bruxelles 1994, S. 524–567, hier: 529. Vgl. Frank Kolb: Literarische Beziehungen zwischen Cassius Dio, Herodian und der Historia Augusta, Bonn 1972, S. 97–111; Agnès Bérenger-Badel: Caracalla et le massacre des Alexandrins: entre histoire et légende noire. In: David El Kenz (Hrsg.): Le massacre, objet d’histoire, Paris 2005, S. 121–139.
  31. Herodian 4,6,4–5. Vgl. Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 33, 115.
  32. Siehe zu diesem Bau Nele Schröder: Ein severisches Großprojekt: Die Ausstattung der Caracalla-Thermen in Rom. In: Stephan Faust, Florian Leitmeir (Hrsg.): Repräsentationsformen in severischer Zeit, Berlin 2011, S. 179–192.
  33. Eine umfassende Untersuchung bietet Hartmut Wolff: Die Constitutio Antoniniana und Papyrus Gissensis 40 I, 2 Bände, Köln 1976; zur Frage der privatrechtlichen Konsequenzen der Bügerrechtsverleihung siehe Bd. 1 S. 80–109.
  34. Hartmut Wolff: Die Constitutio Antoniniana und Papyrus Gissensis 40 I, Bd. 1, Köln 1976, S. 278–281.
  35. Peter Alois Kuhlmann (Hrsg.): Die Gießener literarischen Papyri und die Caracalla-Erlasse. Edition, Übersetzung und Kommentar, Gießen 1994, S. 222f. (griechischer Text und Übersetzung), 225f. (Kommentar).
  36. Herodian 4,4,7.
  37. Cassius Dio 79 (78),36,3. Siehe zur Solderhöhung Robert Develin: The Army Pay Rises under Severus and Caracalla and the Question of Annona militaris. In: Latomus 30, 1971, S. 687–695, hier: 687–692; Michael Alexander Speidel: Heer und Herrschaft im Römischen Reich der hohen Kaiserzeit, Stuttgart 2009, S. 350, 415.
  38. Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 60f.; Michael Alexander Speidel: Heer und Herrschaft im Römischen Reich der hohen Kaiserzeit, Stuttgart 2009, S. 415, 436f.
  39. Anthony R. Birley: The African Emperor. Septimius Severus, 2., erweiterte Auflage, London 1988, S. 190f.
  40. David R. Walker: The Metrology of the Roman Silver Coinage, Teil 3, Oxford 1978, S. 62–64, 100, 130–132; Michael Louis Meckler: Caracalla and his late-antique biographer, Ann Arbor 1994, S. 27.
  41. Cassius Dio 78 (77),10,3. Siehe dazu Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 33, 114f.
  42. Cassius Dio 78 (77),15,3–7.
  43. Gerhard Weber: Zur Verehrung des Apollo Grannus in Faimingen, zu Phoebiana und Caracalla. In: Johannes Eingartner, Pia Eschbaumer, Gerhard Weber: Faimingen-Phoebiana, Band 1: Der römische Tempelbezirk in Faimingen-Phoebiana, Mainz 1993, S. 122–136, hier: S. 133 und Anm. 609.
  44. Cassius Dio 78 (77),23,2.
  45. Lawrence Richardson, Jr.: A New Topographical Dictionary of Ancient Rome, Baltimore 1992, S. 361.
  46. Zur Chronologie und zum Verlauf des Feldzugs siehe Andreas Hensen: Zu Caracallas Germanica Expeditio. Archäologisch-topographische Untersuchungen. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg 19/1, 1994, S. 219–254.
  47. Für die Glaubwürdigkeit plädiert Bruno Bleckmann: Die Alamannen im 3. Jahrhundert: Althistorische Bemerkungen zur Ersterwähnung und zur Ethnogenese. In: Museum Helveticum 59, 2002, S. 145–171, hier: 147–153, 170. Seiner Auffassung folgen John F. Drinkwater: The Alamanni and Rome 213–496 (Caracalla to Clovis), Oxford 2007, S. 43f. und Markus Handy: Die Severer und das Heer, Berlin 2009, S. 82–87. Gegenteiliger Meinung sind u. a. Dieter Geuenich: Geschichte der Alemannen, 2., überarbeitete Auflage, Stuttgart 2005, S. 18f. und Helmut Castritius: Von politischer Vielfalt zur Einheit. Zu den Ethnogenesen der Alemannen. In: Herwig Wolfram, Walter Pohl: Typen der Ethnogenese unter besonderer Berücksichtigung der Bayern, Teil 1, Wien 1990, S. 71–84, hier: 73–75. Die Hypothese, der zufolge der Alamannenname nicht in Cassius Dios Originaltext stand, war schon 1984 von Matthias Springer und Lawrence Okamura vorgetragen worden, die unabhängig voneinander zu diesem Ergebnis kamen. Eine Zusammenstellung der Quellen mit Übersetzung bieten Camilla Dirlmeier, Gunther Gottlieb (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Alamannen von Cassius Dio bis Ammianus Marcellinus, Sigmaringen 1976, S. 9–12. Vgl. Michael Louis Meckler: Caracalla and his late-antique biographer, Ann Arbor 1994, S. 141f.
  48. Mit einem deutlichen römischen Erfolg rechnet daher u.a. Peter Kneißl: Die Siegestitulatur der römischen Kaiser, Göttingen 1969, S. 160f. Ähnlich urteilt Gerhard Wirth: Caracalla in Franken. Zur Verwirklichung einer politischen Ideologie. In: Jahrbuch für Fränkische Landesforschung 34/35, 1975, S. 37–74, hier: 66, 68f.
  49. Michael Louis Meckler: Caracalla and his late-antique biographer, Ann Arbor 1994, S. 146; Boris Gerov: Die Invasion der Carpen im Jahre 214. In: Acta of the Fifth International Congress of Greek and Latin Epigraphy, Cambridge 1967, Oxford 1971, S. 431–436. Vgl. aber Markus Handy: Die Severer und das Heer, Berlin 2009, S. 88.
  50. Zur Route siehe Helmut Halfmann: Itinera principum, Stuttgart 1986, S. 227–229.
  51. Zu dem gesamten Phänomen siehe Angela Kühnen: Die imitatio Alexandri in der römischen Politik, Münster 2008, S. 176–186, 192; anderer Meinung ist hinsichtlich der politischen Absicht Caracallas Drora Baharal: Caracalla and Alexander the Great: a Reappraisal. In: Carl Deroux (Hrsg.): Studies in Latin Literature and Roman History, Bd. 7, Bruxelles 1994, S. 524–567.
  52. Siehe dazu Drora Baharal: Caracalla and Alexander the Great: a Reappraisal. In: Carl Deroux (Hrsg.): Studies in Latin Literature and Roman History, Bd. 7, Bruxelles 1994, S. 524–567, hier: 529f.
  53. Cassius Dio 78 (77),7,2. Zur Authentizität des Briefs siehe Drora Baharal: Caracalla and Alexander the Great: a Reappraisal. In: Carl Deroux (Hrsg.): Studies in Latin Literature and Roman History, Bd. 7, Bruxelles 1994, S. 524–567, hier: S. 530 und Anm. 9.
  54. Zu diesen Ereignissen und ihrer Chronologie siehe André Maricq: Classica et Orientalia, Paris 1965, S. 27–32.
  55. Cassius Dio 79 (78),1,1; Herodian 4,10–11. Mit einem historischen Kern rechnen u.a. Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit, 6. Auflage, München 2009, S. 623f., Karl-Heinz Ziegler: Die Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich, Wiesbaden 1964, S. 133, Gerhard Wirth: Caracalla in Franken. Zur Verwirklichung einer politischen Ideologie. In: Jahrbuch für Fränkische Landesforschung 34/35, 1975, S. 37–74, hier: 55–58 und Michael Louis Meckler: Caracalla and his late-antique biographer, Ann Arbor 1994, S. 30f. Anderer Meinung ist Dieter Timpe: Ein Heiratsplan Kaiser Caracallas. In: Hermes 95, 1967, S. 470–495. Gegen Timpes Argumentation wendet sich Joseph Vogt: Zu Pausanias und Caracalla. In: Historia 18, 1969, S. 299–308, hier: 303–308.
  56. Zum Verlauf des Feldzugs siehe Erich Kettenhofen: Caracalla. In: Encyclopædia Iranica, Bd. 4, London 1990, S. 790–792, hier: 791 (online).
  57. Cassius Dio 79 (78),3,4–5 (vgl. 79 (78),1,3–4). Vgl. Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 66.
  58. Siehe beispielsweise Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit, 6. Auflage, München 2009, S. 625f.; Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 66f.
  59. Cassius Dio 79 (78),4,1–5,2.
  60. Zweifel an der Rolle des Macrinus als Organisator der Verschwörung sind unberechtigt; siehe dazu Frank Kolb: Literarische Beziehungen zwischen Cassius Dio, Herodian und der Historia Augusta, Bonn 1972, S. 133 Anm. 647.
  61. Siehe zu Caracallas geplantem Besuch des Heiligtums Frank Kolb: Literarische Beziehungen zwischen Cassius Dio, Herodian und der Historia Augusta, Bonn 1972, S. 123f.
  62. Cassius Dio 79 (78),5,2–5. Vgl. Herodian 4,13 und Historia Augusta, Caracalla 6,6–7,2. Siehe auch Michael Louis Meckler: Caracalla and his late-antique biographer, Ann Arbor 1994, S. 152–156.
  63. Herodian 4,7 und 4,9,3. Vgl. Cassius Dio 79 (78),9,3: Auch der mit Caracalla verglichene Gladiator Tarautas war klein.
  64. Cassius Dio 78 (77),11,1.
  65. Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit, 6. Auflage, München 2009, S. 625; Anne-Marie Leander Touati: Portrait and historical relief. Some remarks on the meaning of Caracalla’s sole ruler portrait. In: Anne-Marie Leander Touati u.a. (Hrsg.): Munuscula Romana, Stockholm 1991, S. 117–131, hier: 129f.; Heinz Bernhard Wiggers: Caracalla, Geta, Plautilla. In: Max Wegner (Hrsg.): Das römische Herrscherbild, Abteilung 3 Band 1, Berlin 1971, S. 9–129, hier: 11.
  66. Anne-Marie Leander Touati: Portrait and historical relief. Some remarks on the meaning of Caracalla’s sole ruler portrait. In: Anne-Marie Leander Touati u.a. (Hrsg.): Munuscula Romana, Stockholm 1991, S. 117–131.
  67. Heinz Bernhard Wiggers: Caracalla, Geta, Plautilla. In: Max Wegner (Hrsg.): Das römische Herrscherbild, Abteilung 3 Band 1, Berlin 1971, S. 9–129, hier: 17–35; Klaus Fittschen, Paul Zanker: Katalog der römischen Porträts in den Capitolinischen Museen und den anderen kommunalen Sammlungen der Stadt Rom, 2. Auflage, Mainz 1994, Textband S. 98–100, 102–112; Florian Leitmeir: Brüche im Kaiserbildnis von Caracalla bis Severus Alexander. In: Stephan Faust, Florian Leitmeir (Hrsg.): Repräsentationsformen in severischer Zeit, Berlin 2011, S. 11–33, hier: 13–18.
  68. Heinz Bernhard Wiggers: Caracalla, Geta, Plautilla. In: Max Wegner (Hrsg.): Das römische Herrscherbild, Abteilung 3 Band 1, Berlin 1971, S. 9–129, hier: 25f., 52; Klaus Fittschen, Paul Zanker: Katalog der römischen Porträts in den Capitolinischen Museen und den anderen kommunalen Sammlungen der Stadt Rom, 2. Auflage, Mainz 1994, Textband S. 111.
  69. Heinz Bernhard Wiggers: Caracalla, Geta, Plautilla. In: Max Wegner (Hrsg.): Das römische Herrscherbild, Abteilung 3 Band 1, Berlin 1971, S. 9–129, hier: 33f.
  70. Heinz Bernhard Wiggers: Caracalla, Geta, Plautilla. In: Max Wegner (Hrsg.): Das römische Herrscherbild, Abteilung 3 Band 1, Berlin 1971, S. 9–129, hier: 26; Klaus Fittschen, Paul Zanker: Katalog der römischen Porträts in den Capitolinischen Museen und den anderen kommunalen Sammlungen der Stadt Rom, 2. Auflage, Mainz 1994, Textband S. 110f. Fittschens Ansicht folgt Florian Leitmeir: Brüche im Kaiserbildnis von Caracalla bis Severus Alexander. In: Stephan Faust, Florian Leitmeir (Hrsg.): Repräsentationsformen in severischer Zeit, Berlin 2011, S. 11–33, hier: 17f.
  71. Cassius Dio 78 (77),11,2–3; 78 (77),13,1–2; Herodian 4,7,4–7; 4,13,7. Vgl. Markus Handy: Die Severer und das Heer, Berlin 2009, S. 67.
  72. Zu diesem Kult und zur Datierung seiner Einführung siehe James Frank Gilliam: On Divi under the Severi. In: Jacqueline Bibauw (Hrsg.): Hommages à Marcel Renard, Bd. 2, Bruxelles 1969, S. 284–289, hier: 285f.; Helga Gesche: Die Divinisierung der römischen Kaiser in ihrer Funktion als Herrschaftslegitimation. In: Chiron 8, 1978, S. 377–390, hier: 387f.
  73. Helmut Halfmann: Zwei syrische Verwandte des severischen Kaiserhauses. In: Chiron 12, 1982, S. 217–235, hier: 232–234.
  74. Cassius Dio 78 (77),15,2–3.
  75. Zur Einschätzung der Quellen siehe Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum. Die severischen Kaiser im Spannungsfeld innenpolitischer Konflikte, Bonn 1990, S. 11 und die dort genannte Literatur.
  76. Helmut Halfmann: Zwei syrische Verwandte des severischen Kaiserhauses. In: Chiron 12, 1982, S. 217–235, hier: 231.
  77. Zum Kleidungsstück caracalla und dem davon abgeleiteten Spitznamen des Kaisers siehe Johannes Kramer: Zu Bedeutung und Herkunft von caracalla. In: Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete 48, 2002, S. 247–256.
  78. Cassius Dio 79 (78),9,3.
  79. Chronograph von 354, hrsg. von Theodor Mommsen, Monumenta Germaniae Historica, Auctores antiquissimi, Bd. 9 (= Chronica minora, Bd. 1), Berlin 1892, S. 147 ( zu Antoninus Magnus).
  80. Siehe zu der Legende Barbara Levick: Julia Domna, London 2007, S. 98f.; Gabriele Marasco: Giulia Domna, Caracalla e Geta: frammenti di tragedia alla corte dei Severi. In: L’Antiquité Classique 65, 1996, S. 119–134, hier: 119–126.
  81. Siehe zu dieser Version der Legende Gabriele Marasco: Giulia Domna, Caracalla e Geta: frammenti di tragedia alla corte dei Severi. In: L’Antiquité Classique 65, 1996, S. 119–134, hier: 126–134.
  82. Geoffrey von Monmouth, De gestis Britonum (Historia regum Britanniae) 5,74f., herausgegeben und ins Englische übersetzt von Michael D. Reeve und Neil Wright: Geoffrey of Monmouth: The History of the Kings of Britain, Woodbridge 2007, S. 90–93.
  83. Herausgegeben, ins Deutsche übersetzt und kommentiert von Uwe Baumann: Antoninus Bassianus Caracalla, Frankfurt am Main 1984.
  84. Cassius Dio 77 (76),14,3–7.
  85. Michael Meckler: Caracalla the Intellectual. In: Enrico dal Covolo, Giancarlo Rinaldi (Hrsg.): Gli imperatori Severi, Rom 1999, S. 39–46, hier: 40f.
  86. Theodor Mommsen: Römische Kaisergeschichte, München 1992, S. 396f.
  87. Ernst Kornemann: Römische Geschichte, Bd. 2, 6. Auflage, Stuttgart 1970, S. 311f.
  88. Alfred Heuß: Römische Geschichte, Braunschweig 1987, S. 358f.
  89. Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit, 6. Auflage, München 2009, S. 622–625.
  90. Géza Alföldy: Die Krise des Römischen Reiches, Stuttgart 1989, S. 209.
  91. Anthony R. Birley: Caracalla. In: Manfred Clauss (Hrsg.): Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, 4. Auflage, München 2010, S. 185–191, hier: 191; Drora Baharal: Caracalla and Alexander the Great: a Reappraisal. In: Carl Deroux (Hrsg.): Studies in Latin Literature and Roman History, Bd. 7, Bruxelles 1994, S. 524–567, hier: 564.
  92. Anthony R. Birley: The African Emperor. Septimius Severus, 2., erweiterte Auflage, London 1988, S. 189.


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Kaiserbiographien: Septimius Severus (193 – 211 n. Chr.) https://eindruecke.achmnt.eu/2014/07/11050/ Wed, 23 Jul 2014 11:11:56 +0000 http://www.aussichten-online.net/?p=5672 Read more…]]> prospectiva imperialia Nr. 21 [23.07.2014]

ANCIENT HISTORY ENCYCLOPEDIA

hrsg. v. Jan van der Crabben u.a.

Septimius Severus

by Patrick Hurley
published on 11 April 2011

[URL: http://www.ancient.eu.com/Septimius_Severus/]

Septimius Severus (Bibi Saint-Pol)

Lucius Septimius Severus who lived from 145/146 AD to 211 AD was a Roman Emperor of Libyan descent from Lepcis Magna, who reigned April 14, 193 AD to February 4, 211 AD.  Septimius came from a locally prominent Punic family who had a history of rising to senatorial as well as consular status

His first visit to Rome was around 163 AD during the reign of Marcus Aurelius and Lucius Verus. He was protected by his cousin Caius Septimius Severus and entered the Roman Senate in 170 AD. When his cousin went to Africa as a proconsul around 173-174 AD, he chose L. Septimius Severus to be his legatus.

L. Septimius married Paccia Marciana around 175 AD who had Punic origins like him; however, she died ten years later. When he was governor of Gaul and he lived in Lugdunum (Lyon), he married Julia Domna from Emesa (Syria) around 187 AD. She was descended from a family of great priests of Eliogabal.

Septimius’ rise to emperor began with the murder of the dissolute ruler Commodus on the last day of 192 AD.  Commodus’ immediate successor, the well-respected if elderly Pertinax, was quickly made emperor afterwards.  Pertinax’s actions as emperor, however, enraged members of the Praetorian Guard who disliked his efforts to enforce stricter discipline.  Moreover, the inability of Pertinax to meet the Guard’s demands for back pay led to their revolt which ended in the emperor’s assassination.  The Praetorian Guard then cynically proceeded to auction off the imperial throne to the highest bidder with the person willing to pay the most being promised the support of the Praetorian Guard and therefore the imperial throne.  A rich and prominent senator, M. Didius Julianus, perhaps as a joke at first, proceeded to outbid all others at the auction and thus was proclaimed emperor by the Praetorians solely for the reason that he promised to pay them the most money.   This affair caused considerable resentment among the population at Rome who openly denounced Julianus and the way in which he acquired the throne. Word of such unrest at Rome spread to the provinces and led to the emergence of three possible candidates to challenge Julianus’ rule.

The first candidate was Clodius Albinus, governor of Britain.  The second was Pescennius Niger, governor of Syria, and the third was, of course, Septimius Severus who governed the province of Pannonia Superior on the Danube frontier.  All three governors emerged as possible candidates mainly because each of them held provinces that were defended by three legions apiece.  Not only did this give each governor a powerful military base of three legions but also ensured that the provinces adjacent to them would more often than not join in their cause if they decided to rise up and make a bid for imperial power.  Both Albinus and Niger did so. Septimius, in making his claim, had an edge over these two men.  He had an advantage not only in terms of propaganda (Septimius had served with Pertinax previously and successfully portrayed himself as the ‘avenger of Pertinax,’ even adopting the slain emperor’s name) but also in terms of location as Pannonia was the closest of these provinces to Italy and Rome.  To prevent a possible clash with Clodius Albinus in Britain, he secured Albinus’ support mainly by promising him the title of Caesar and thus a place in the imperial succession should Septimius be successful.  After securing the loyalty of the sixteen legions of the Rhine and Danube to his cause, Septimius marched into Italy and, 60 miles outside of Rome, was recognized by the Senate as emperor.  Julianus was executed, and Septimius was welcomed into Rome on 9 June 193 AD.  With his accession, the year 193 AD is known as ‘The Year of Five Emperors.’

Septimius quickly dissolved the existing Praetorian Guard and replaced it with a much larger bodyguard recruited from the Danubian legions under his command.  To strengthen his rule in Italy, he also raised three new legions (I-III Parthica), based the second of these not far from Rome at Alba, and increased the city of Rome’s number of vigils, urban cohorts, and other units, greatly enlarging Rome’s overall garrison.

Having now secured Rome (and, for the moment, Albinus’ loyalty in the west), Septimius now organized a campaign to march to the eastern provinces to eliminate his rival Niger.  Severan forces handed out successive defeats to Niger, driving his forces out of Thrace, then defeating him at Cyzicus and Nicaea in Asia Minor in 193 AD, and ultimately defeating him at Issus in 194 AD.  While in the East, Severus turned his forces against the Parthian vassals who had backed Niger in his claims.  He quickly subdued the kingdoms of Osroene and Adiabene, taking the titles Parthicus Arabicus and Parthicus Adiabenicus to commemorate these victories.  To solidify his reputation and attempt to link his new dynasty with that of the Antonines, he declared himself the son of the now deified former emperor Marcus Aurelius and brother of the deified Commodus.  Moreover, he conferred upon his eldest son M. Aurelius Antoninus (later the emperor Caracalla) the title of Caesar.  This last move led him into direct conflict with his erstwhile ally Clodius Albinus who was initially given this title in return for his loyalty.  Realizing that Severus intended to discard him, Albinus rebelled and crossed with his legions into Gaul.  Severus hurried west to meet Albinus in battle at Lugdunum and defeated him in a bloody and hard fought battle in February 197 AD.  After defeating Albinus, Severus was now the sole emperor of the Roman Empire.

In the summer of 197 AD, Severus once again travelled to the eastern provinces where the Parthian Empire had taken advantage of his absence to besiege Nisibis in Roman occupied Mesopotamia.  After breaking the Parthian siege there, he proceeded to march down the Euphrates attacking and sacking the Parthian cities of Seleucia, Babylon, and ultimately the Parthian capital of Ctesiphon.  He would have liked to have continued his campaigns deeper into the Parthian Empire, although Dio states that he was prevented from doing so due to a lack of military intelligence and knowledge that the Romans had of the Parthian heartland.  Septimius then turned against the fortress of Hatra in Iraq, but failed to take it after two attempted sieges.  After coming to a face-saving agreement with Hatra, Septimius declared victory in the East, taking the title of Parthicus Maximus (indeed, the Senate voted him a Triumphal Arch in the Roman Forum which still stands today).  It was during this time that he organized the lands of northern Mesopotamia, captured from the Parthians, into the new province of Roman Mesopotamia which Dio states Severus hoped would serve as a ‘bulwark for Syria’ against any future Parthian invasions (how effective this policy was in the years after Severus’ reign is a matter which is open to debate).

Severus then travelled to Egypt in 199 AD, reorganizing the province.  After returning to Syria for a year’s stay (end of 200 AD to beginning of 202 AD), Severus finally travelled back to Rome in summer 202 AD to celebrate his decennalia with a victory game as well as giving his son Antoninus in marriage to the daughter of his confidant, the Praetorian Prefect Plautianus (who was later murdered thanks to the intrigues of Antoninus).  In autumn of that same year, Severus travelled to his homeland of Africa, touring (and greatly patronising) Severus’ home town of Lepcis Magna, as well as Utica and Carthage. At Lepcis Magna, he conducted an energetic program of monument building, providing colonnaded streets, a new forum, a basilica, and a new harbor for his hometown.  He also used this time to crush the desert tribes (most notably the Garamantes) who had been harassing Rome’s African frontiers.  Severus expanded and re-fortified the African frontier, even expanding Rome’s presence into the Sahara thus curtailing the raiding activities of these border tribes who could no longer attack Roman lands with impunity and then escape back into the desert.

Severus then returned to Italy in 203 AD where he stayed until 208 AD, holding the Secular games in 204 AD.  With the murder of his Praetorian Prefect Plautianus, Severus replaced him with the jurist Papinian. His patronage of this new prefect as well as the jurists Ulpian and Paul made the Severan era a golden one for Roman jurisprudence.

In 208 AD, small scale fighting on the frontier of Roman Britain gave Severus the excuse to launch a campaign there which would last until his death in 211 AD.  With this campaign, Severus was hoping for a chance to achieve military glory.  Moreover, he brought with him his sons Antoninus and Geta in the hopes of providing them with some administrative and military experience necessary for holding the imperial power (until this point, the two sons had spent their time violently quarrelling with each other as well as behaving like libertines carousing at Rome’s less reputable establishments).

Severus’ intentions in Britain were almost certainly to subdue the entire island and bring it under Roman rule completely.  In order to do this, Severus completely repaired and renovated many of the forts along Hadrian’s Wall with the intention of using the Wall as a base from which to launch a campaign to conquer the north of the island of Britain.  Leaving Geta south (supposedly leaving him responsible for the civil administration of Britain south of the wall), Severus and his son Antoninus campaigned in the north, especially in what is now Scotland.  The course of the campaign was one that was mixed for the Romans: the native Caledonian tribes did not meet the Romans in open battle and engaged in guerrilla tactics against them and caused the Romans to suffer heavy casualties.  By 210 AD, however, the northern tribes sued for peace, and Severus used this opportunity to build a new advance base at Carpow on the Tay for future campaigning.  He also took the title Britannicus for himself and his sons to commemorate this victory.  This success was short-lived, however, as the tribes soon rose up in revolt.  By this time (211 AD), Severus could not continue his campaigns against them.  He was a long-time sufferer of gout which appears to have taken a toll on him: He died at Eburacum (York) on 4 February 211 AD.

Severus’ reign witnessed the implementation of reforms in both the provinces and the military which had long term consequences.  After the defeat of his rivals, Severus resolved to not have another take power in the fashion that he did.  Consequently, he divided the three legion provinces of Pannonia and Syria to discourage future governors to rise up in revolt (Pannonia was divided into the new provinces of Pannonia Superior and Pannonia Inferior; Syria was divided into Syria Coele and Syria Phoenice).  Britain was also divided into two provinces (Britannia Superior and Britannia Inferior), although it is debated whether or not Severus or his son and successor Caracalla did this.

Severus is also noted for his reforms of the army.  Not only did he greatly increase the size of the army, in order to ensure its loyalty he also raised the annual pay of the soldiers from 300 to 500 denarii (many would have seen this pay rise as overdue, as the last raise in soldiers’ salaries was granted by the emperor Domitian in 84 AD).  Severus, to pay for these raises, had to debase the silver coinage.  It seems that the long term effects this may have had on inflation were minimal, although Severus set a precedent for future emperors to continuously debase the coinage in order to pay for the army.  The historians Dio and Herodian criticized Severus for these pay rises, mainly because it put more financial pressure on the civilian population to maintain a larger army.  Moreover, Severus ended the ban on marriage which had existed in the Roman army, giving soldiers the right to take wives.  This measure has been argued by some to be a positive reform as it gave legal rights to the wives of soldiers who before the ban had no legal recourse as their relationships were informal and not legally binding.  So concerned was Severus with the loyalty of the army that, on his deathbed, he is said to have advised his two sons to ‘Be good to one another, enrich the soldiers, and damn the rest.’

Severus could be ruthless towards his enemies.  When he defeated Niger in the East, not only did he attack many of the cities in that region which supported his rival, he is noted for taking metropolitan status away from the city of Antioch (Niger’s base of operations), and giving it to its chief rival, the city of Laodicaea.  After defeating Albinus at the battle of Lugdunum, Severus released his wrath on the Roman Senate, many of its members having given either muted or open support to Albinus.  Severus, after declaring his intentions to purge the Senate in a speech to that body in 197 AD, proceeded to execute 29 senators of that body for having supported his rival (many other non-senatorial supporters of Albinus met the same fate).

Despite emerging victorious from a period of civil war and bringing stability to the empire, Severus’ sense of accomplishment may have been mixed.  His last words, according to various historians, seem to imply that he felt he may have left his work unfinished.  Aurelius Victor reported that Severus, on his deathbed, despairingly declared ‘I have been all things, and it has profited nothing.’ Dio, who knew Severus personally, wrote that, as the emperor expired, he gasped ‘Come, give it to me, if we have anything to do!’

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Bibliography

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