Warum Studentisches Publizieren keine Spielwiese ist. Rück- und Ausblicke auf ‚aventinus. Studentische Publikationsplattform Geschichte‘


Nach der erstmaligen Etablierung eines Organs für Studentisches Publizieren in den Geschichtswissenschaften im Jahre 2005 durch den Online-Gang von Aventinus. Die Historische Internetzeitschrift von Studierenden für Studierende (http://archiv.aventinus-online.de) wurde Anfang 2010 der Relaunch als aventinus – Studentische Publikationsplattform Geschichte beschlossen. Hierzu wurde aufgrund einer Kooperationsvereinbarung aventinus als externer Partner von historicum.net – Geschichtswissenschaften im Internet (http://www.historicum.net) etabliert und verwendet die Technik und das Layout von historicum.net. Das Projekt befindet sich gegenwärtig in institutioneller Trägerschaft der Fachschaft Geschichte der LMU München, wird bei der Bayerischen Staatsbibliothek betrieben und hierbei beispielsweise vom Historischen Seminar der LMU München unterstützt. (Zur Genese des Projekts siehe aktuell: Andreas C. Hofmann (Präsentation) aventinus. Studentische Publikationsplattform Geschichte, in: recensio.net. Rezensionsplattform für die europäische Geschichtswissenschaft [14.02.2011], http://www.recensio.net/@@redirect-to-uuid/af27e0bbc247 84df5072e2b031cbbbd0.)

Was aber ist der didaktische Mehrwert einer solchen Publikationsplattform? Wieso ist aventinus mehr als ein reines „Hausarbeitengrab“? Worin liegen die Potentiale für insbesondere die neuen BA/MA-Studiengänge? Die neuen und vor allem leichteren Arten an Publikationsmöglichkeiten ermöglichen es nun bereits Studierenden, ihre Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Von einem Sturm der Generation Internet auf den Elfenbeinturm zu sprechen, mag vielleicht übertrieben erscheinen (Andreas C. Hofmann: (Interview) Generation Internet stürmt den Elfenbeinturm, in: Forum. Zeitschrift der StipendiatInnen der Friedrich-Ebert-Stiftung Nr. 2/2010, durchges. zweitpubl. in: aventinus generalia Nr. 6 [04.01.2011], URL: http://www.aventinus-online.de/index.php?id=3176). Fakt ist allerdings, dass der Hintergrund einer breiten Öffentlichkeit das studentische Schreibverhalten verändert: Sieht man das Schreiben eines Textes insofern als einen Kommunikationsprozess, als ein Produzent für einen Rezipienten schreibt, spielt es stets eine Rolle, wer dieser Rezipient ist. Somit macht es einen großen Unterschied, ob für einen Dozenten oder eine breite Öffentlichkeit geschrieben wird.

Neue Wege beschreitet aventinus mit zwei neuen Projekten sowie der Umstrukturierung von aventinus recensio: aventinus classica ist die Schriftenreihe von aventinus, welche ausgewählte Beiträge aus der Publikationsplattform enthalten soll. Diese werden dann aufgrund einer Kooperationsvereinbarung mit der Diplomica Verlag GmbH Hamburg im Print-on-Demand Verfahren veröffentlicht (http://www.aventinus-online.de/classica). Auch hier ist mit Spannung zu erwarten, wie sich das studentische Schreibverhalten angesichts einer Print-Publikation im Vergleich zu den vermeintlich flüchtigen Internet-Publikationen verändern wird. Mit aventinus visio werden Besprechungen zu Dokumentationen und Filmen aus allen Epochen und historischen Disziplinen gebündelt. Es wird sich zeigen, wie die zunehmende Fülle an Medialisierung der Geschichte durch die studentischen Rezensenten bewerten werden wird. aventinus recensio bündelte bisher sämtliche Rezensionen aus studentischer Feder; nach einer Nukonzeptionierung der Reihe werden von nun an gezielt Einführungs- und Überblickswerke besprochen, wobei die Rezensionen neben einem Rückgriff auf den Forschungsstand auch die Studienrelevanz und die studentische Perspektive einbringen sollen.

Bei einer Bewertung des Mehrwerts einer studentischen Publikationsplattform darf allerdings nicht nur die Seite der Autoren und des Projekts selbst beleuchtet werden. Bietet aventinus doch eine Fülle an (zudem redaktionell bearbeiteten) Informationen über verschiedenste Themen der Geschichte. Aufgrund seiner Systematik ist es darauf angelegt, sich zu einem Informationssystem zur Geschichte vom Altertum bis zur Gegenwart zu entwickeln. Dass diese Informationen überwiegend studentischer Provenienz sind, muss ihren Mehrwert nicht schmälern.

Erstpublikation in blog.elearninghistoricum.net [22.02.2011]

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