Wie ein Dinosaurier trotz Meteoriteneinschlags überleben konnte. Über das (bisherige) Fortbestehen des Virtuellen Seminarraums an der LMU München


Es als Glaubenskrieg zu bezeichnen mag maßlos übertrieben sein, wenn sich auch die Geister an seinem Namen scheiden. Gemeint ist der Virtuelle Seminarraum, welcher es seit 2004 an der LMU ermöglicht, auf analoge Weise gehaltene Seminare mit einem digitalem Angebot zu begleiten. Es soll und kann an dieser Stelle nicht das Ziel sein, diesen Virtuellen Seminarraum ausführlich vorzustellen – dafür sei auf eine vom Autor seiner Zeit erstellte Anleitung unter http://www.ngzg.geschichte.uni-muenchen.de/service/vs1 verwiesen. Da sich an der LMU in den letzten sechs Jahren insbesondere im Geschäftsbereich des Referats Internet (Homepage, E-Learning, Corporate Design etc.) durchaus nennenwerte und segensreiche Änderungen vollzogen, gilt es zu erklären, wie ein E-Learning-Dinosaurier bis heute überleben konnte (für einen Überblick über weitere Formen der Corporate Identity am Beispiel der LMU vgl. Hochschule und Studium im Wandel, URL: http://epub.andreashofmann.eu/09).

Seit 2007 wurde an der LMU sukzessive ein Corporate Design eingeführt, in dessen Rahmen auch die Module für Studierende und Lehrende erweitert wurden. LMU-Portal (http://www.portal.uni-muenchen.de) war das Zauberwort. Studierende erhalten dort – modular nach dem eigenen Geschmack zusammengestellt – Zugriff auf Lehrveranstaltungsmaterialien, Informationen aus der eigenen Fakultät, eine Anzeige der LMU Temparatur, eine Anbindung an das Lehrveranstaltungsmanagementsystem LSF (hierzu vgl. Was der Bachelor nach München brachte, URL: http://einblicke.andreashofmann.eu/2010/05/84) u.v.m. Man möchte fast meinen ein Schlaraffenland an vernetzter Information und Benutzerfreundlichkeit! Mittlerweile müssen Dozenten und Studierende sich nicht einmal mehr zusätzlich registrieren, sondern können auf Dateidepots im Rahmen von LSF zugreifen (http://www.internetdienste.verwaltung.uni-muenchen.de/aktuell/archiv/lsf).

Und trotz dieses Meteoriteneinschlages des Corporate Designs und des Web 2.0 an der LMU München: Der Virtuelle Seminarraum, Gefährter vieler Studierender der auslaufenden Magisterstudiengänge besteht weiterhin. Worin seine Beständigkeit und Resistenz, ja vielleicht sogar Renitenz gegenüber Veränderungen liegt, kann nicht zuverlässig beantwortet werden. Einige augescheinlich sich anbietende Punkte seien allerdings genannt:

  • Viele Nutzer, egal welcher universitären Gruppe sie zuzordnen sind, sind des – ja es muss an dieser Stelle so genannt werden – Schnickschnacks überdrüssig. Es geht ja schließlich nicht darum, eine akademische Kommandozentrale zu etablieren, sondern um sinnvolle Ergänzung der universitären Lehre um neue Techniken.
  • Wenn die technische Infrastruktur auf das Notwendige reduziert ist, erfährt die Usability einen enormen Auftrieb. Auch wenn der gegenwärtig (Nicht Senioren-)Studierende einer zweifelsfrei technikfreundlichen Generation zuzurechnen ist, sollte v.a. in den Geisteswissenschaften darauf geachtet werden, keine Informatik-Diplome zur Teilnahme an virtuell unterstützten Lehrveranstaltungen vorauszusetzen.

Es scheint sich somit letztlich herauszukristallisieren, dass (vermeintlich) alte Techniken auch ihren Reiz besitzen. Ohne einer rückwärtsgewandten Technikfeindlichkeit das Wort reden zu wollen (wobei ein Blog ohnehin der falsche Platz dafür schien), ist es manchmals auch geboten, das Rad nicht zwingend neu erfinden zu wollen. Es würde manchmal ausreichen, es in ansprechenderem Gewand zu präsentieren (das Layout des soeben besprochenen Virtuellen Seminarraums datiert noch auf 2003).

Erstpublikation in blog.elearninghistoricum.net [04.12.2010]

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