Link-Hint Nr. 4/2010: Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938


http://gedenkbuch.univie.ac.at

Das ‚Gedenkbuch‘ verzeichnet erstmals die Namen der über 2.700 vorwiegend jüdischen Lehrenden, Studierenden und MitarbeiterInnen der Verwaltung der Universität Wien, die mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus im Jahr 1938 entlassen und in der Folge vertrieben oder ermordet wurden. Das Projekt, an welchem sich verschiedene Stellen der Universität Wien beteiligen, versteht sich als „Teil des kollektiven Gedächtnis- und Erinnerungsraumes“ (Präambel) der Wiener Universität.

Die Datenbank ermöglicht eine Suche nach Name, Geburtsdatum, Geschlecht, Fakultät sowie der Kategorisierung ‚vertriebene Lehrende‘, ‚vertriebene Studierende‘ und ‚Doktoraberkennung‘. Darüber hinaus kann in der Datenbank mit einer Volltextsuche recherchiert werden. Die Personendatensätze enthalten neben den biographischen Informationen auch digitalisierte Dokumente, welche allerdings teilweise in höherer Auflösung hätten präsentiert werden können. Sofern vorhanden, enthalten die Datensätze Porträtaufnahmen der behandelten Person.

Ergänzt wird das Angebot durch eine Auswahlbibliographie, eine Linkliste sowie Materialien zur Erstpräsentation des Gedenkbuches in der universitäten Öffentlichkeit. Während die Auswahlbibliographie vielmehr ein Verzeichnis zitierter Literatur ist, welches weiterführend auf die Seiten des Forums Zeitgeschichte verlinkt, bietet die Linkliste zahlreiche Hinweise auf Angebote zu beispielsweise NS-Dokumentationszentren, ‚Verfolgte – Überlebende – Second Generation‘ und Genealogie; die hohe Verfügbarkeitsquote der Links spricht hierbei für die Aktualität des Angebots.

Auch wenn die Universität Wien mit dem Forum Zeitgeschichte über eine Koordinationsstelle von Aktivitäten zur Aufarbeitung der Geschichte der Universität Wien insbesondere im Nationalsozialismus verfügt, wäre eine Einbettung des Gedenkbuches in den historischen Kontext durch beispielsweise ergänzende Texte zur Geschichte der Universität Wien im Nationalsozialismus wünschenswert gewesen. Dieser Kritikpunkt ändert jedoch nichts daran, dass das Gedenkbuch eindrucksvoll und gebündelt an das Unrecht des Nationalsozialismus während des so genannten Anschlusses Österreichs an das Dritte Reich am Beispiel der Universität Wien erinnert.

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